Donnerstag, 9. Februar 2012, 01:44 Uhr

manager magazin



22.01.2010
 

Internet der Zukunft

Im Netz der Giganten

Von Konrad Lischka

3. Teil: Geschäfte unter Freunden - bei Facebook und Co.

Informationen sammeln, konzentrieren und als gebündeltes Wissen wieder an die Nutzer weitergeben - das ist auch der Mechanismus, der die Konzentration der sozialen Netzwerke vorantreibt. Sie zentralisieren Daten in einer exklusiven Datenbank, die ständig von den Nutzern kostenlos erweitert wird. Die Software von Communitys wie Facebook macht daraus Internetinhalte, die für Anwender wie Werber gleichermaßen attraktiv sind.

Diese Wirkung wird durch Handys der neuesten Generation noch verstärkt. Soziale Netzwerke und moderne Kommunikationsgeräte, die man immer dabeihat, die immer online sind - das passt zusammen. Xing-Chef Stefan Groß-Selbeck zitiert Zahlen, denen zufolge gut die Hälfte der mobilen Internetnutzung schon jetzt auf die Communitys entfällt. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie mit jedem neuen Mitglied, jeder Meinungsäußerung, jedem Foto, jeder Verknüpfung attraktiver für Menschen werden, die noch nicht dabei sind.

Wenn die Hälfte der Freunde sich bei Facebook austauscht, dann wird man sich dort vielleicht auch anmelden - und den Dienst mit Informationen füttern, die dessen Attraktivität weiter steigern. Diese Marktkonzentration treibt sich wie von selbst voran.

Internetstatistik ersetzt Marktforschung

Welche Folgen es für die Wirtschaft hat, wenn viele Informationen bei wenigen Anbietern wie Facebook liegen, kann man schon heute erahnen. Im klassischen WWW konnte jeder eine Webseite erstellen, auf ein paar Links und etwas Aufmerksamkeit hoffen. Bei Facebook und den anderen Gemeinschaften wächst die Chance auf Aufmerksamkeit mit jedem neuen Mitglied - und noch mehr:

  • Wer eine sogenannte Fan-Seite auf Facebook betreibt - ob Unternehmen wie Coca-Cola und SPIEGEL ONLINE oder ein Blogger -, der gewinnt mit jedem Fan in der Community einen Botschafter. Denn der Fan macht mit jedem Kommentar auf der Seite letztlich Werbung für die Seite in seinem Facebook-Freundeskreis.
  • Facebook-Seitenbetreiber haben außerdem Zugriff auf anonymisierte Fan-Daten, von denen jeder Marktforscher träumt: Altersverteilung, Wohnort, Geschlecht, Sprache. Man weiß, wer das eigene Angebot nutzt. Schneller, billiger, allerdings auch roher als durch konventionelle Marktforschung.
  • Je mehr Zeit Menschen in den Netzwerken verbringen, desto stärker dürften sie die Werbung verändern. Wer eine Anzeige bei Facebook schalten will, kann die Zielgruppe extrem exakt zuschneiden. Soll die Annonce Menschen erreichen, die in Deutschland leben? Das wären dann 5,1 Millionen. Oder nur jene in Hamburg? 443.000. Oder nur Siemens-Mitarbeiter in Hamburg? 240. Oder nur Hamburger Siemens-Mitarbeiter, die demnächst Geburtstag haben? Weniger als 20.

Handy-Programme ermöglichen es inzwischen, in Communitys ständig seinen aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen. Außerdem gern auch Reiseziele, Freizeitpläne oder sonst etwas, was nicht zuletzt die Werbewirtschaft interessiert. Bisher verlangt Facebook nur Geld für Werbung. Aber warum sollten Unternehmen nicht irgendwann auch für ihre Präsenz in dem Netzwerk zahlen?

Facebook ist ein eher geschlossenes System - Twitter ein eher offenes, die Kurzbotschaften auf der Plattform sind schließlich für jeden Internetnutzer lesbar. Auch diese Plattform bietet neue PR-Möglichkeiten für Unternehmen. Doch auch hier gilt: Wer immer am Ende die Nase vorn hat, ein komplett offenes System wird es keineswegs sein.

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