Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:58 Uhr

manager magazin



13.01.2010
 

Kehrtwende wegen Zensur

Google erwägt Rückzug aus China

Showdown zwischen zwei Weltmächten? Nach Jahren der Anpassung wehrt sich Google plötzlich öffentlich gegen die Zensur seiner chinesischen Seiten sowie dortige Hacker-Angriffe. Der Internetkonzern erwägt sogar seinen Rückzug aus dem Reich der Mitte. Unterstützung erhält er von der US-Regierung sowie von Menschenrechtlern.

Mountain View - Der Suchmaschinengigant Google stellt nach Attacken auf E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten sein Engagement in der Volksrepublik China auf den Prüfstand. Mitte Dezember seien Server von Google und anderen westlichen Unternehmen massiv attackiert worden, schrieb Google-Chefjurist David Drummond am Dienstag (Ortszeit) im offiziellen Google-Blog.

Schieflage: Zwischen Google und China steht es nicht zum Besten
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REUTERS

Schieflage: Zwischen Google und China steht es nicht zum Besten

Ziel der Attacken sei es unter anderem gewesen, die Mailkonten von chinesischen Menschenrechtsaktivisten zu hacken. In diesem Zusammenhang habe sich Google entschlossen, die Suchergebnisse auf der chinesischen Site google.cn nicht länger zensieren zu wollen. Der deutsche Google-Sprecher Kay Oberbeck bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa die Echtheit des Blogeintrags.

In den kommenden Wochen werde man mit der chinesischen Regierung besprechen, auf welcher Basis man in China operieren könne, um ungefilterte Suchergebnisse im Rahmen der geltenden Gesetze anbieten zu können. "Wir sind uns darüber bewusst, dass dies zum Abschalten von google.cn und zur Schließung unserer Büros in China führen kann."

Diese Entscheidung sei vom Google-Management in den USA getroffen worden, ohne dass die Google-Beschäftigten in China davon gewusst hätten oder in die Entscheidung einbezogen worden seien.

Drummond schrieb, im Rahmen der Untersuchungen der Hacker-Angriffe auf den Google-E-Mail-Dienst GMail habe man auch entdeckt, dass Dutzende von E-Mail-Konten von Menschenrechtsaktivisten in den USA, in Europa und China systematisch sogenannten Phishing-Attacken ausgesetzt gewesen seien. Dabei versuchen die Angreifer, mit gefälschten Login-Seiten die Zugangsdaten zu den E-Mail-Konten abzufischen.

Google.cn war im Januar 2006 gestartet worden. Der Suchmaschinenkonzern hatte sich damals wie andere westliche Internetunternehmen auch verpflichtet, die Gesetze in der Volksrepublik China einzuhalten und auf der chinesischen Google-Seite gefilterte Suchergebnisse angeboten. Diese Geschäftspolitik war von Google-Kritikern als ein Einknicken vor der staatlichen Zensur angeprangert worden.

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