Von Matthias Kremp
Hamburg - Das zu Ende gehende Jahr war kein gutes für die Chiphersteller. Um 11,4 Prozent sind die Umsätze mit Mikrochips 2009 gefallen, meldet das Marktforschungsunternehmen Gartner. Für die Hersteller bedeutete das Umsatzeinbußen von insgesamt 29 Milliarden Dollar. Als Fels in der Brandung erwies sich ausgerechnet einer der kleinsten PC-Prozessoren, Intels Atom, der den meisten Netbooks als Antrieb dient. Anfang Januar soll nun endlich ein Nachfolger auf den Markt kommen. Erste Details darüber, was der neue Billigheimer unter den Intel-Chips so kann, hat Intel
am Sonntag verraten.
Die wichtigste Veränderung des unter dem Codenamen Pinetrail entwickelten Atom N450 ist, dass die Entwickler die Integration hier noch weiter vorangetrieben haben. So enthält der Chip jetzt nicht mehr nur den Prozessor, sondern zusätzlich auch den Speicher-Controller und einen Grafikprozessor. Das soll, obwohl es beim vom Atom N280 bekannten Prozessortakt von 1,66 GHz bleibt, dafür sorgen, dass Notebooks mit dem neuen Chip spürbar schneller arbeiten. Unter anderem verspricht der Hersteller, der neue Kombichip könne auch Videos in der HD-Auflösung 720p (1280 x 720 Pixel) ruckelfrei abspielen, was kommenden Netbooks zumindest maßvolle Multimedia-Fähigkeiten verleihen würde.
Vor allem aber hat die höhere Integration und der Aufbau des N450 in 45-Nanometer-Technik es ermöglicht, Stromverbrauch, Platzbedarf und Wärmeentwicklung zu reduzieren. So soll der Strombedarf um 20 Prozent geringer als beim Vorgänger sein, was laut Intel die Akku-Laufzeit von Netbooks verlängern soll. Dass diese 20 Prozent tatsächlich einen spürbaren Effekt auf die Gesamtlaufzeit haben, ist allerdings kaum zu erwarten. Der größte Stromverbraucher mobiler Computer ist mit weitem Abstand das Display, meist direkt gefolgt von der Festplatte. Der Strombedarf der CPU fällt dagegen nur wenig ins Gewicht.
Dual-Core-Technik gibt es nur für Nettops
In der Praxis dürfte es dagegen wichtiger sein, dass der neue Chip gegenüber aktuellen Konstruktionen weniger als die Hälfte des Platzes benötigt und weit weniger Wärme abgibt. Das Resultat könnten leichtere, flachere und vor allem lüfter- und deshalb lautlose Netbooks werden. Ein paar solcher Geräte, die Anfang Januar auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas ihr Debüt feiern werden, zeigt Intel schon jetzt.
Insgesamt sollen bei Firmen wie Lenovo
, MSI und Acer
bereits jetzt 80 unterschiedliche Netbooks mit dem neuen Chip an Bord in Produktion gehen. Die meisten davon werden mit Microsofts Windows 7 Starter Edition, einem Spezial-Windows für Netbooks, ausgeliefert. Einige Hersteller werden Intel zufolge allerdings das von Intel geförderte
Moblin-Linux zumindest als Option anbieten. Kunden, die sich für diese Variante entscheiden, werden entweder weniger für ihr Netbook zahlen, weil die Windows-Lizenzgebühr entfällt, oder mehr Arbeitsspeicher bekommen, da mit dem Verzicht auf Windows auch Microsofts 1-Gigabyte-Limit fällt.
Neben dem N450 wird Intel am 5. Januar zudem die beiden Desktop-Chips D410 und D510 auf den Markt bringen. Beide sollen ihren Dienst in billigen Schreibtisch-Computern, den sogenannten Nettops, versehen. Genau wie der N450 verfügen auch diese beiden Modelle über integrierte Speichercontroller und Grafikchips, sind allerdings deutlich weniger auf Sparsamkeit getrimmt. So verbraucht der N410 mit 10 Watt TDP fast doppelt so viel Strom wie sein Netbook-Äquivalent, der D510 legt mit 13 Watt sogar noch einen drauf, ist dafür aber auch als einziger der neuen Netbook-Chips mit einem Dual-Core-Prozessor ausgerüstet.
Interessant an Intels so kurz vor Weihnachten erfolgenden Ankündigung der neuen Atom-Chips sind allerdings weniger die technischen Daten der neuen Chips - auch wenn Netbooks mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent inzwischen ein äußerst wichtiger Teil des Mobilrechner-Marktes sind. Aufmerken lässt dagegen, wie verschiedene IT-Nachrichtenportale bemerken, der Zeitpunkt. Bereits in drei Wochen, Anfang Januar, findet in Las Vegas die wichtigste IT-Messe des Jahres, die CES (Consumer Electronics Show), statt. Traditionell ist dies der Termin, zu dem etliche US-Unternehmen, auch Intel, ihre großen News verkündigen. Da die Atom-Chips nun schon veröffentlicht wurden, dürfte dann die Zeit neuer Notebook-Chips gekommen sein.
Intels Termin für die Vorstellung neuer Chips auf der CES lässt kaum Zweifel, was deren Highlight sein wird, denn die ist von 7:30 bis 8:02 angesetzt, also genau 32 Minuten lang. Exakt passend zu den neuen Chips, deren Leiterbahnen nur noch 32 Nanometer breit sein sollen.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH