27.11.2009
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Steuerung durch Gesten

Gestikulieren vor Geräten

2. Teil: Nicht anfassen

Vieles ist möglich. Doch die Fachwelt ist gespalten, ob sich das Gestikulieren vor Geräten durchsetzt. Einige Prototypen verschwanden bereits wieder von den Ausstellungsflächen der Messen. So erfand das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme in Sankt Augustin einen Monitor, der auf einen Fingerzeig ein neues Bild einblendet. Dieser Pointscreen spricht ebenfalls auf die Veränderung des elektrischen Feldes durch den menschlichen Körper an. Der Bildschirm muss nicht mehr angefasst werden. Verschmierte Monitore mit fettigen Fingerabdrücken in Museen und an Bankautomaten könnten der Vergangenheit angehören.

Doch "einen Produktstatus hat das nie erreicht", teilt Manfred Bogen, Spezialist für virtuelle Welten vom Fraunhofer-Institut mit. "Wir haben mit vielen Partnern aus der Industrie gesprochen, waren auf Messen. Aber es hat sich nie etwas ergeben." Die berührungslose Steuerung konnte mit der Touchscreentechnik nicht mithalten. Letztere sei präziser und für den Anwender konkreter, mutmaßt Bogen über die Gründe und schließt daraus: "Entweder der Markt war noch nicht reif oder die Technologie ist noch nicht geeignet."

An einen Siegeszug der gestenbasierten Kommunikation mit allen möglichen Haushaltsgeräten mag auch Ipke Wachsmuth, Experte für künstliche Intelligenz von der Universität Bielefeld, nicht glauben: "Etwas, das so leicht zu bedienen ist wie ein Knopf, wird aus unserem Alltag nicht verschwinden." Er zieht eine Parallele zu sprechenden Waschmaschinen, die seit Jahren als bahnbrechende Innovation gehandelt werden, aber nie die Haushalte erobert haben.

In der Tat befassen sich Informatiker schon seit einigen Jahren mit der Steuerung von Geräten durch Gesten. 2002 testeten Münchner Forscher, wie sich ein Autoradio berührungslos mit Handzeichen bedienen lässt, ohne den Blick von der Straße abzuwenden. Noch immer sitzen aber schnöde Knöpfe in der Armatur. Warum sollte ausgerechnet jetzt der Durchbruch kommen?

"Das Thema ist wieder da. Vor allem bei neuen Geräten", wendet Wachsmuth ein. "Objektbezogene Gesten zum Steuern von Bildern - das setzt sich zurzeit ungeheuer gut durch." Auf Smartphones und iPhones vergrößert sich die Ansicht, sobald Daumen und Zeigefinger auf dem Display auseinandergezogen werden. "Das funktioniert gut und ist vollkommen intuitiv", so Wachsmuth. Mit der Spielekonsole Wii fährt man virtuell Fahrrad, indem man zwei Steuermodule in den Händen in der Luft bewegt. Die Armbewegungen bestimmen das Spiel. Gerade bei neuen Geräten bestehe durchaus die Chance, dass sich neue Kommunikationsformen durchsetzen.

Susanne Donner, ddp

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