Anfangs sei er bisweilen auf Skepsis unter den Mitarbeitern gestoßen, sagt Quitmann: "Wieder eine Beraterveranstaltung, die irgendwann vorbeigeht." Nur ist Lean kein Big Bang zum Stichtag, sondern ein permanenter Veränderungsprozess, der von den Mitarbeitern getrieben werden soll. Schritt für Schritt die Abläufe immer wieder zu verbessern erfordert ein Umdenken von allen Beteiligten.
Finanzielle Anreize gab es nicht, doch "jeder hat den äußeren Druck gespürt und verstanden, dass sich etwas ändern musste". Schließlich haben die Mitarbeiter eingesehen, dass es tatsächlich Verbesserungspotenzial gab und sich dieses ohne persönliche Einbußen heben ließ - sukzessive und mit selbst erarbeiteten Lösungen.
Nicht nur Quitmann sieht die Akzeptanz der Mitarbeiter als unerlässliche Bedingung eines erfolgreichen Change-Managements. Lean sei zusammen mit der Optimierung der Abläufe der "Treibriemen" gewesen, um die Mannschaft auf dem Weg mitzunehmen. Und der CIO musste stets demonstrieren, dass sich etwas bewegt: "Wenn Sie nur Papier produzieren, verlieren Sie Akzeptanz und Geschwindigkeit." Ergebnisse müssen sofort umgesetzt werden.
Dennoch lief das aufwendige Projekt deutlich länger als ursprünglich geplant. Das Tagesgeschäft machte der Nutzung interner Ressourcen öfter einen Strich durch die Rechnung. "Gratis ist Lean-Management nicht zu haben, resümiert Quitmann. "Aber es zahlt sich langfristig aus, weil die Organisation anschließend sauberer läuft."
Unterstützung aus dem Vorstand für das Vorhaben war vorhanden: "Ich musste das Thema nicht verkaufen, denn von der Begrifflichkeit und der Methode her waren die Prinzipien von Lean Six Sigma bekannt." Dass diese nun auch in der IT Anwendung fanden, sei begrüßt worden. Die Mitarbeiter verpflichteten sich zu einem Produktivitätszuwachs von 5 Prozent - pro Jahr. Oder sogar mehr, wenn der Veränderungsprozess stetig fortgeführt wird.
Erste Ergebnisse zeigen, dass die Ziele erreicht werden. "Von unseren Erfahrungen können nun auch andere Bereiche der Verwaltung profitieren", sagt Quitmann. Der IT-Manager selbst wird die Ernte bei Zumtobel nicht mehr einfahren, auch wenn er das Feld bestellt hat. Quitmann hat das Voralpenland im Oktober in Richtung Norden verlassen, um die Position des CIOs beim Kupferhersteller Aurubis, der einstigen Norddeutschen Affinerie, in Hamburg anzutreten. Für ihn schließt sich der Kreis, denn vor dem Lichtkonzern Zumtobel war er für den Aluminiumproduzenten Norsk Hydro verantwortlich für die IT im Walzbereich.
© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH