17.11.2009
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Jagd auf Datendiebe

Blick in den Mülleimer der Informatik

2. Teil: "Ein Ende des Datendiebstahls ist nicht abzusehen"

2008 entdeckte das Mannheimer Team enorme Sicherheitslücken im Internet und fand gestohlene Daten von etwa 170.000 ahnungslosen Opfern, zumeist Bankkunden. Das hochsensible Diebesgut bestand unter anderem aus Kreditkartennummern und Passwörtern zu Onlinekonten. Das Datenmaterial hätte auf dem globalen Schwarzmarkt mehr als zehn Millionen Dollar eingebracht. "Auch wenn das ein Erfolg war, ein Ende des Datendiebstahls ist nicht abzusehen", befürchtet der Professor.

So hätten sich die Cracker in den vergangenen Jahren stark professionalisiert. "Es geht um viel Geld, was auch den gesellschaftlichen Schaden vergrößert", sagt Freiling. So könne heute schon das Ansurfen einer Webseite zum gefährlichen Einfallstor für Kriminelle werden. Der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt: "Das Leerräumen von Konten aber auch Anlage-, Versicherungs-, und Subventionsbetrug werden künftig wohl auch die Volkswirtschaften erheblich schädigen", prognostiziert Freiling, der als Gutachter vom Bundesverfassungsgericht im Verfahren zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung bestellt ist.

Nach Auffassung der Mannheimer Informatiker ist das Bewusstsein der Computernutzer für die Gefahren noch viel zu gering. Dabei sei zu erwarten, dass sich Vorfälle wie bei SchülerVZ oder der kürzlich aufgedeckte Datenklau-Versuch bei der Bundesagentur für Arbeit zunehmen. Es sei naheliegend, dass die Systeme, in denen immer mehr brisante Daten gespeichert werden, zum Ziel organisierter Kriminalität würden. Insofern ist die Arbeit der Mannheimer nicht unbedingt ungefährlich.

Wie der Leiter einer Karlsruher Unternehmensberatung sagt, schrecken die Kriminellen auch nicht vor Gewalt zurück. Der Mann, der Firmen in Sachen IT-Sicherheit berät, möchte seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen. "Die Wissenschaftler machen gute Arbeit, und es gehört zu Ihrer Arbeit, Forschungsergebnisse zu veröffentlichen, doch das könnte sich auch als risikoreiches Unterfangen herausstellen", warnt er. Es gehe immerhin um ein Millionengeschäft. "Da lässt sich niemand gerne in die Suppe spucken", sagt der Berater. Auch Felix Freiling ist sich dieser Gefahr bewusst. Wichtige schriftliche Nachrichten versendet er mittlerweile wieder auf klassische Weise - mit der Post.

Stephen Wolf, ddp

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