Dienstag, 7. Februar 2012, 06:19 Uhr

manager magazin



17.11.2009
 

Jagd auf Datendiebe

Blick in den Mülleimer der Informatik

Mannheimer Informatiker haben Onlinekriminellen den Kampf angesagt. Ungeschützte Computer dienen dabei als Falle: Tappen die Datendiebe hinein, lassen sich Methoden und Instrumente der Hacker erforschen.

Mannheim - Die Jagd auf Datendiebe im Internet ist ein Wettlauf mit der Zeit. Mit immer neuen Programmen gelangen Kriminelle an Bankdaten und Passwörter. Oder wie vor wenigen Tagen an private Informationen aus dem Netzwerk SchülerVZ. Seit Jahren sind an der Universität Mannheim die Mitarbeiter des Lehrstuhls für praktische Informatik damit beschäftigt, die Instrumente der Internetbetrüger aufzuspüren und zu analysieren. Rund um die Uhr sind dort ein Dutzend Rechner ohne Virenschutz in Betrieb, um so auf die Spur technisch versierter Diebe zu kommen.

Datenklau: Akademiker locken Hacker an, um deren Methoden zu analysieren
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DDP

Datenklau: Akademiker locken Hacker an, um deren Methoden zu analysieren

"Diese Rechner sind unsere Köder", sagt der Leiter des Lehrstuhls, Felix Freiling. "Sie haben weder eine Firewall noch ist Virenschutzsoftware darauf zu finden, eine Einladung an die Cracker sozusagen." Nach Freilings Angaben hinterlassen auf den ungeschützten Geräten tatsächlich alle paar Monate Kriminelle ihre Spuren.

Der 39 Jahre alte Professor und sein Team beschäftigen sich aber nicht nur mit IT-Sicherheit, sondern auch mit der Forensik im Netzverkehr, also mit der Wiederherstellung bereits gelöschter Daten. "Unser Lehrstuhl ist der einzige in Deutschland, der sich explizit mit Datensicherheit auseinandersetzt", sagt Freiling. So beraten die Forscher etwa auch Landeskriminalämter.

"Wir blicken bei unserer Arbeit gewissermaßen in den Mülleimer der Informatik", sagt Freiling. Manchmal lohnt sich dieser Blick für die akademischen Hacker, denn haben sie einmal die Spur von Datendieben aufgenommen, wenden sie deren Methoden an, um in die Computersysteme zu gelangen. So führt die Spur der jeweiligen Schadsoftware direkt zu den Tätern, die laut Freiling oftmals von Osteuropa aus aktiv sind.

Haben sich die Programme der Mannheimer erst einmal in den fremden Rechnern eingenistet, können sie jeden Datentransfer der Gegenseite mitschneiden und an das Diebesgut auf den Festplatten gelangen.

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