Dienstag, 7. Februar 2012, 05:51 Uhr

manager magazin



06.11.2009
 

Mobilfunk

Der Apps-Boom

Von Martin U. Müller

Zusatzprogramme für Multimedia-Handys stoßen auf wachsende Begeisterung - bei den Nutzern, aber auch bei professionellen Software-Entwicklern und Hobby-Tüftlern. Sie alle wollen mitverdienen, doch das große Geschäft macht nur einer: der iPhone-Anbieter Apple.

Armin Heinrich hat ein Programm geschrieben, das nicht viel kann, und eigentlich will er auch nicht mehr darüber reden. Innerhalb weniger Minuten baute er vergangenen Spätsommer aus ein paar Strichen und Farbverläufen einen digitalen Edelstein. Der Diplom-Ingenieur fügte einige Sätze inklusive Rechtschreibfehler hinzu und bot das glitzernde Nichts für stolze 999 Dollar in Apples Online-Zubehör-Portal als Programm für das iPhone an.

Acht Menschen kauften die Anwendung namens "I Am Rich", sieben davon angeblich aus Versehen. Apple entfernte das Programm nach einem Tag aus dem Angebot. Er habe ausprobieren wollen, wie weit man gehen könne, sagt Heinrich, 46, "was sich noch verkauft".

Offenbar fast alles.

Jedenfalls gibt es für das iPhone fast nichts, was es nicht gibt. Wer will, findet mit Hilfe seines mobilen Telefons Cannabis-Verkäufer, freie Taxen oder den Titel des Songs, der gerade im Radio läuft. Dank der kleinen Programme dient das Handy als Wasserwaage oder Kompass und bei Bedarf weist es zur Gebetszeit gen Mekka.

Mehr als 100.000 solcher Applikationen, kurz Apps genannt, kann der iPhone-Besitzer mittlerweile über die hauseigene Plattform iTunes Store kostenlos oder für mehr oder weniger viel Geld herunterladen. Viele sind nützlich, manche purer Nonsens. Besonders beliebt sind Spiele, Navigationssysteme und Büroanwendungen.

Vor gut einem Jahr erlaubte Apple jedermann, Programme für das iPhone zu schreiben. Anfangs fühlten sich davon nur wenige hundert Tüftler aufgerufen, inzwischen aber sind über 125.000 Entwickler registriert. Ein paar von ihnen haben mit ihren kleinen Programmen ziemlich viel Geld verdient, die meisten jedoch kaum mehr als ein Taschengeld.

Für die kalifornische Kultfirma Apple ist das Ganze ein riesiges Geschäft. 70 Prozent der Einnahmen gehen an den jeweiligen Entwickler, die restlichen 30 bleiben bei Apple. Jeder Programmierer muss zunächst 99 Dollar bezahlen. Dafür erhält man neben Hilfestellung auch die Zahlungsabwicklung, und das eingereichte Werk durchläuft einen internen Qualitätscheck - den allerdings auch Heinrichs digitaler Edelstein anstandslos durchlief.

200 Millionen US-Dollar Umsatz mit Apps im Monat

Zwei Milliarden Mal wurden iPhone-Apps bisher heruntergeladen, der amerikanische Werbevermarkter AdMob schätzt den erwirtschafteten Umsatz auf rund 200 Millionen Dollar - nur für den Monat August. Und das ist erst der Anfang. Die Beratungsfirma Strategy Analytics geht davon aus, dass 2013 mit Apps weltweit mehr als sechs Milliarden Dollar umgesetzt werden.

Laut AdMob laden sich iPhone-Nutzer jeden Monat im Schnitt zehn Anwendungen herunter, für fast jede Dritte davon sind sie bereit zu bezahlen - mehr als neun Dollar monatlich.

Ein neuer Markt ist so entstanden in einer Branche, die nach Jahren stürmischen Wachstums seit geraumer Zeit nur noch stagniert: Wirkliche Zuwächse gibt es in der Mobiltelefonie beispielsweise noch in Indien oder China, in Deutschland sind die Umsätze sogar rückläufig.

Apples Geschäft hingegen prosperiert: Das iPhone hat sich zum Kult-Handy entwickelt - nicht zuletzt wegen der kleinen Programme. Dank des Apps-Booms hat Apple sogar geschafft, wovon viele andere Telefonhersteller nur träumen können: Die Firma verdient mit längst verkauften Geräten weiter Geld.

Der Fachbuchautor Mirko Müller will an dem Geschäft teilhaben. Sein Programm "Die perfekte Eieruhr" hat sich binnen eines Monats rund tausendmal verkauft. Für die Programmierung war aber auch einiger Aufwand nötig: Müller, 39, kochte Eier auf dem heimischen Gasherd, am Elektroherd von Eltern und Freunden, legte kühlschrankkalte Eier in zimmerwarmes Wasser und umgekehrt. "Wir haben Hunderte Eier gekocht und gegessen", sagt er.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben