Von Nicolas Zeitler
Auch Stephan Wawrzinek legt Wert darauf, dass ein Mediator Fachwissen mitbringt. Er verweist auf Scheidungen, die nicht selten mittels Mediation abgewickelt werden. "Wer so etwas als Mediator begleitet, muss ja auch wissen, was rechtlich überhaupt möglich ist", sagt Wawrzinek. Wer Konflikte im IT-Umfeld schlichten wolle, der sollte sich nach seiner Vorstellung unter anderem mit den Unterschieden zwischen der IT-Welt eines öffentlichen und eines privatwirtschaftlichen Unternehmens auskennen.
Ob ein Mediator immer von außen kommen muss oder auch Teil des betroffenen Unternehmens sein kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wawrzinek hält es zumindest in größeren Unternehmen für möglich, eigene geschulte Mitarbeiter zur Mediation heranzuziehen. Voraussetzung: Der Schlichter müsse genug Abstand zum Streitfall haben.
Margarete Nuber hält interne Mediatoren dagegen nur bedingt zur Schichtung geeignet. Ein Beobachter von außen bringe einen völlig neuen Blick auf ein Projekt mit. "Wenn ein Konflikt die Einführung eines Systems verzögert hat, habe ich schon manchmal die Frage gestellt, ob denn Betrieb und Wartung des Altsystems noch sichergestellt sind", sagt sie. Dieser weite Blickwinkel - über das betroffene Projekt hinaus - falle einem Betriebsfremden leichter.
Experten-Pool im Aufbau
Um Firmen die Suche nach einem Mediator zu erleichtern, will das itSMF nun einen Pool von Fachleuten aufbauen. "Bisher haben wir Experten-Pools zu allen möglichen Themen und Branchen, aber einen für Mediatoren gibt es noch nicht", sagt Stephan Wawrzinek. Nachfrage gebe es reichlich, wenn auch noch viel Aufklärungsarbeit nötig sei. "Viele kennen den Begriff, aber was Mediation wirklich ausmacht, ist noch weithin unbekannt", sagt er.
Auch Margarete Nuber beobachtet, dass das Thema im Bewusstsein vieler noch nicht verankert sei. Dass sie deshalb häufig zu spät gerufen werde, wenn es brennt, glaubt sie trotzdem nicht. Ein gewisser Leidensdruck sei notwendig, bevor die Konfliktparteien offen für die Vermittlung durch einen Dritten seien, sagt sie.
Mediation meistens erfolgreich
Wie lange ein Deeskalations-Projekt dauert, hängt ganz von den Rahmenbedingungen ab und ist auch Teil der Vereinbarung zwischen den Streithähnen und Nuber. Viele Probleme seien schnell zu lösen, wenn der Vermittler nur einmal beiden Seiten die richtigen Fragen stelle und dabei als Übersetzer zwischen der Informatik- und der Business-Sprache agiere, sagt sie. Begleitet Nuber dagegen auch nach Abschluss einer Vereinbarung ein Projekt weiter, kann das schon einmal länger als ein Jahr dauern. In solchen Fällen kommt sie in festgelegten Abständen im Unternehmen vorbei und kann im Notfall auch kurzfristig zu Rate gezogen werden.
Wawrzinek indes versichert, dass sich der Einsatz eines Mediators meistens lohne. Nach seiner Erfahrung sind 80 Prozent der Schlichtungen zunächst erfolgreich. Und die Quote für nachhaltigen Erfolg - wenn also bis zum Abschluss des Projekts kein neuer Konflikt aufflammt - liege immer noch zwischen 60 und 70 Prozent.
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