08.10.2009
Twitter GooglePlus Facebook

Google Wave

Das Netz hängt seine Nutzer ab

Von Christian Stöcker

3. Teil: Die "Springflutwarnung"

Selbst Hardcore-Geeks wie der Tech-Blogger, Twitter- und Facebook-Fanatiker Robert Scoble zeigten sich nach ersten Testläufen skeptisch. "Wenn die Leute anfangen, den Dienst zu benutzen, werden sie merken, dass er den größten Nachteil von E-Mail und Instant Messaging miteinander verbindet: Unproduktivität", schrieb Scoble. Louis Gray, Gründer eines sogenannten "Silicon Valley Blog für Early Adopters" schrieb: "Wave ist nichts als ein weiteres Postfach, das man regelmäßig überprüfen muss." Überschrieben ist der Eintrag mit "Google Wave trifft auf den Strand - Springflutwarnung". Selbst die härtesten aller Technophilen, so scheint es, haben den Punkt erreicht, an dem ihnen all die Kommunikations-, vulgo: Ablenkungsmöglichkeiten zu viel werden.

Google: Das Onlineunternehmen entwickelt auch einen neuen Browser
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Google: Das Onlineunternehmen entwickelt auch einen neuen Browser

Der Prozess, der sich dank der sich permanent beschleunigenden Möglichkeiten des Netzes derzeit vollzieht, ist in der Menschheitsgeschichte bislang einzigartig: Die Entwicklung verläuft so schnell, dass selbst die Early Adopters nicht mehr nachkommen. Neue Werkzeuge können sich gar nicht so schnell durchsetzen, wie weitere aufgesetzt werden, die Vorangegangenes womöglich schon wieder überflüssig machen. Während ganz vorne, bei den hartgesottensten Allesausprobierern, eine permanente Umwälzung im Gange ist, wartet die große Masse der Internetnutzer lieber in aller Ruhe ab - und verlässt sich weiterhin auf die 40 Jahre alte E-Mail als Basiswerkzeug. Die Kluft wird täglich breiter: Zwischen denen, die wissen, was das Netz schon heute alles kann, die viele seiner Möglichkeiten sogar tatsächlich benutzen und jenen, denen es viel zu mühsam ist, sich ständig neue Technologien, Kommunikationsformen, Verhaltenskodizes anzueignen.

Es gibt allerdings einen Teil der Gesellschaft, in dem die Dinge anders liegen: Die Rangliste der von 14- bis 19-Jährigen mindestens selten genutzten Mitmachangebote sieht laut der ARD/ZDF-Online-Studie so aus:

  • Wikipedia (94 Prozent)
  • Videoportale (93 Prozent)
  • Private Communitys (81 Prozent)
  • Fotocommunitys (42 Prozent)

Diese Altersgruppe kommt übrigens fast komplett ohne Twitter aus - kommuniziert aber ohnehin schon von Kindesbeinen an in Echtzeit: Einer Erhebung des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2009 zufolge nutzen 90 Prozent der 10- bis 17-Jährigen Messaging-Dienste und ähnliche Kommunikationsmöglichkeiten.

Im Vergleich zu diesen im digitalen Stahlbad gehärteten Multitasking-Experten sind die Mittdreißiger, die heute all die immer besseren Netz-Anwendungen erschaffen, müde alte Säcke. Diese jüngere Generation wird letztlich darüber entscheiden, was das Netz braucht - und was überflüssig, zu kompliziert, eben zu viel ist. Vielleicht werden diese Leute Wave benutzen. Oder das nächste oder übernächste große Ding.

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