Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:29 Uhr

manager magazin



08.10.2009
 

Google Wave

Das Netz hängt seine Nutzer ab

Von Christian Stöcker

Wave ist großartig. Das Wunderwerkzeug von Google vereinigt Funktionen und Fähigkeiten, die für Arbeit wie Freizeitvergnügen äußerst nützlich sein könnten. Trotzdem ist fraglich, ob es sich durchsetzen wird. Denn selbst Netz-Aficionados wird es mit Kommunikation und Information langsam zu viel.

Hamburg - Die knappste Ressource, die erwachsenen Menschen in der westlichen Welt zur Verfügung steht, ist in der Regel: Zeit.

Die gute Nachricht: Das Internet und seine ständig wachsenden Möglichkeiten sollten eigentlich dabei helfen, Zeit zu sparen. Schließlich wird Post jetzt mit Lichtgeschwindigkeit zugestellt, Informationen sind blitzschnell verfügbar.

Die schlechte Nachricht: De facto aber tut das Internet das gleiche wie jedes neue Informations- und Kommunikationsmedium seit Erfindung der Keilschrift - es nimmt mehr Zeit, Aufmerksamkeit und damit Energie in Anspruch, als es freisetzt.

Was nicht heißen soll, dass es nicht unglaublich nützlich ist. Aber so manchem, selbst den hartgesottensten Informations- und Kommunikationsjunkies unter uns, reicht es langsam.

Ein Morgen im Büro: Multikanal-Kommunikation, bis der Kopf raucht

Die Möglichkeiten, die das Netz bietet, sind in den vergangenen 15 Jahren exponentiell gewachsen. Wer beispielsweise aus dem Urlaub kommt, kann dem Bekannten im Büro am anderen Ende der Stadt - oder des Landes, des Kontinents, der Welt - morgens blitzschnell seine Ferienfotos zeigen: Über Flickr, über Facebook oder MySpace, über Picasa oder Evernote, als E-Mail-Anhang ...

  • Parallel könnte er eine Instant-Messenger-Konversation über die Schönheiten von Mallorcas Norden führen.
  • Und dabei auf ein YouTube-Video verweisen, das eine besonders halsbrecherische Fahrrad-Abfahrt aus den Bergen nach Sóller zeigt.
  • Und über das kleine Fensterchen rechts unten im Browser-Eck noch schnell seinen 123 Twitter-Followern mitteilen, dass er wohlbehalten wieder da ist.
  • Und dazwischen kurz die RSS-Feeds auf interessante neue Nachrichten oder Blog-Einträge checken.
  • Und schnell noch googeln, wie dieses kleine Restaurant in Palma noch mal hieß, das er dem Kollegen für seinen nächsten Urlaub auf der Insel empfehlen wollte.
  • Und ihm dann schnell den Link zur Website dieses Restaurants übermitteln - per E-Mail oder ICQ, AIM, Twitter, Facebook ...
  • Und bei del.icio.us oder Mister Wong ein Lesezeichen dafür ablegen, für später mal.
  • Und so weiter, während er ständig ängstlich darauf achtet, ob der Chef nicht hinter ihn tritt und feststellt, dass er da neben der eigentlich zu bearbeitenden Tabellenkalkulation auch noch ein paar andere Fenster offen hat auf dem Bildschirm.

Ein voll aufgerüsteter Webbrowser ist in Verbindung mit ein paar Zusatzwerkzeugen heute eine mächtige Kommunikations- und Informationszentrale, wahnsinnig praktisch - und gleichzeitig ein Aufmerksamkeits- und Produktivitätsfresser, der Henry Ford vermutlich die Zornesröte ins Gesicht getrieben hätte.

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