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07.10.2009
 

Medien

DuMont setzt auf Bezahlinhalte

Das Medienhaus M. DuMont Schauberg setzt auf bezahlte Inhalte im Internet. Dazu will der Verlag, der neben der "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" mehrere Lokalzeitungen herausgibt, ein einfaches Bezahlsystem einsetzen. Verleger Konstantin Neven DuMont sagt im Interview, was das Haus noch vor hat.

Frage: Viele Verlage klagen über fehlende Einnahmen im Internet. Welche Strategie verfolgt M. DuMont Schauberg?

Neven DuMont: "Die Verlage müssen in Zukunft eher mit weniger Renditen rechnen als in der Vergangenheit"
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DPA

Neven DuMont: "Die Verlage müssen in Zukunft eher mit weniger Renditen rechnen als in der Vergangenheit"

Neven DuMont: Am Ende des Tages muss Qualitätsjournalismus finanziert werden, mit digitaler Werbung allein geht das nicht. Der Bezahlvorgang ist technisch aber noch zu kompliziert. Wir machen Druck, dass die Provider ein Modell finden, und haben die große Hoffnung, dass wir das schon 2010 anwenden können. Dann sind exklusive Inhalte mit Mehrwert bei uns nicht mehr gratis im Internet zu bekommen. Der Vorspann ist noch kostenlos; für den ganzen Artikel werden aber zum Beispiel 30 Cent über die Telefonrechnung abgebucht.

Frage: Dazu müssen die Inhalte aber noch attraktiver werden. Wie beurteilen Sie die Situation beim Berliner Verlag, den ihr Medienhaus im Frühjahr übernommen hat?

Neven DuMont: Wir haben dort Nachholbedarf beim Thema Online. Das Geschäft des Finanzinvestors Mecom war kurzfristig geprägt, es fehlte die langfristige Strategie. Jetzt investieren wir kräftig in die Digitalisierung und planen für 2010 einen zeitgemäßen Internet- Auftritt, denn wir erhoffen uns steigende Erlöse in den nächsten Jahren. Auch die "Netzeitung" muss sich an betriebswirtschaftlichen Größen messen lassen. Dort sind neue Businesspläne in Arbeit.

M. DuMont Schauberg
Die Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg (MDS) ist der drittgrößte Zeitungsverlag Deutschlands. Zu seinen Tageszeitungen gehören neben der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung" auch der "Kölner Stadt-Anzeiger", die "Kölnische Rundschau", die "Mitteldeutsche Zeitung", der "Berliner Kurier", der "Express", und die "Hamburger Morgenpost". Die Gruppe hält Beteiligungen an mehreren Anzeigenblättern, Hörfunksendern und Onlineunternehmen. Darüber hinanus zählen der DuMont Buchverlag und die Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft zu weiteren Aktivitäten. Im Geschäftsjahr 2007 setzte MDS 626,2 Millionen Euro um. Das operative Ergebnis lag bei 67,6 Millionen Euro.
Frage: Wie sieht es mit den Synergien der Tageszeitungen aus? Sie haben vorgeschlagen, dass die "Berliner Zeitung" zum Beispiel die Medienberichterstattung für die "Frankfurter Rundschau" übernimmt und bei der "FR" dafür der Schwerpunkt Wirtschaft angesiedelt ist.

Neven DuMont: Wir sind heute so stark unter Kostendruck, dass etwas verändert werden muss. Der Diskussionsprozess mit den Redaktionen in den vergangenen Wochen war sehr hilfreich. Viele gute Ideen sind in die Planungen eingeflossen. Im November sollen verabschiedungsreife Pläne vorliegen. Es wird ein Modell entwickelt, das größtmögliche Rücksicht auf das Sichern und Ausbauen von Qualität nimmt. Details werden zurzeit aber nur intern diskutiert. Das haben wir mit den Redaktionen vereinbart.

Frage: Was heißt das für die überregionale Berichterstattung an den Standorten Köln, Frankfurt am Main, Halle und Berlin?

Neven DuMont: Man kann sicher nicht aus vier eins machen. Man darf nicht vergessen, dass der größte redaktionelle Anteil von diesen Zeitungen aus regionalen Inhalten besteht. Wir sind fest davon überzeugt, dass bei den überregionalen Inhalten Kosten gespart werden können, ohne dass die Qualität verloren geht. Dadurch ergibt sich eine gehörige Ersparnis, große Verlage haben da Vorteile. Aber wir wollen das nicht vom grünen Tisch aus planen, sondern die Redaktionen mitnehmen.

Frage: Wie sieht die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt aus?

Neven DuMont: Unsere Erlöse sind stark rückläufig, im Anzeigengeschäft gibt es ein Minus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das müssen wir auffangen. Aber man darf nicht den Fehler machen, dass es auf die Qualität durchschlägt, wenn man Personal reduziert, sonst würde man einen Teufelskreis nach unten in Gang setzen. Die Verlage müssen in Zukunft - unter anderem auch durch die Digitalisierung und rückläufige Märkte - eher mit weniger Renditen rechnen als in der Vergangenheit.

Rolf Westermann und Esteban Engel, dpa

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