Samstag, 4. Februar 2012, 04:59 Uhr

manager magazin



06.10.2009
 

Second Life

"Die Presse ist verschwunden, aber die Nutzer sind geblieben"

Von Anja Tiedge

Erinnern Sie sich noch an Second Life? Die Onlinewelt, die vor zwei Jahren so populär war wie heute Twitter oder Facebook, ist mitnichten tot. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagt Firmenchef Mark Kingdon, warum die Plattform erfolgreicher ist denn je - und niemand es mitbekommt.

mm.de: Herr Kingdon, vor zwei Jahren verging kein Tag, an dem man nichts von Second Life hörte. Firmen siedelten sich an, die Nutzerzahl explodierte, und Psychologen warnten vor dem Suchtpotenzial der Onlinewelt. Heute fragen sich viele, ob Second Life überhaupt noch existiert. Wie kommt es, dass man nichts mehr von Ihrem Unternehmen hört?

Kingdon: Die Aufmerksamkeit und das Wachstum damals waren toll. Und wissen Sie was? Die Presse ist verschwunden, aber die Nutzer sind geblieben. Im Gegenteil - es sind sogar noch mehr geworden: Die Nutzerzahl wächst jedes Jahr ungefähr um ein Viertel. Auch die Gesamtzahl der in Second Life verbrachten Stunden wuchs im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel.

mm.de: Warum interessieren sich die Medien dann nicht mehr für Second Life?

Kingdon: Ich denke, das passiert mit den meisten neuen Technologien: Sie sind neu und spannend, niemand hat sie zuvor ausprobiert. Und irgendwann ist dieser Hype eben wieder vorbei. Trotzdem bleiben die Nutzer, die sich dafür interessieren. Second Life ist weiter gewachsen und wir investieren in neue Technologien.

mm.de: Aber ist das nicht ein Problem: Es gibt Ihr Unternehmen noch, und Sie wachsen sogar - aber kaum jemand registriert das?

Kingdon: Wie die Menschen uns wahrnehmen, besonders in Deutschland, ist die eine Seite. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Second Life geht es prächtig.

mm.de: Wirklichkeit ist im Fall von Second Life allerdings dehnbar. Demnächst werden Sie im - nennen wir es echten - Amsterdam eine Zweigstelle eröffnen. Wozu dieser kostenintensive Schritt? Warum reicht Ihnen keine virtuelle Niederlassung? Sie könnten doch alles virtuell regeln.

Kingdon: Wir wollen in Europa stärker präsent sein. Denn sonst ist es so, wie Sie sagen: Wir sind erfolgreich, aber kaum jemand nimmt davon Notiz. Dabei wachsen wir gerade in Europa stark. Zwar stehen alle unsere Server in den USA, aber 67 Prozent unserer Nutzer kommen aus anderen Ländern.

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