Von Helmut Reich
Andere Länder sind in der Bürgerkontrolle sogar noch weiter: "Wenn Sie in Russland einreisen und die Daten auf Ihrem Laptop sind verschlüsselt, dann müssen Sie diese entschlüsseln. Tun sie das nicht, kann es Ihnen durchaus passieren, dass Ihr Rechner konfisziert oder die Festplatte zerstört wird."
Und in den USA werden laut Juhl bereits 97 Prozent des gesamten Kommunikationsverhaltens analysiert. "Haben Sie dort einen Unfall auf dem Supermarktgelände, dann liegt es an Ihnen, zu beweisen, dass Sie nicht betrunken waren. Falls Sie in dem Markt in den Monaten zuvor ab und an Alkohol eingekauft haben sollten, haben Sie ein Problem: alle diese Daten sind dort gespeichert und werden notfalls vor Gericht gegen Sie angewendet."
Doch trotz der zunehmenden staatlichen Kontrolle mit dem offiziellen Ziel, die Sicherheit zu erhöhen, gibt es auch Fälle, die genau in die andere Richtung zielen. So prüfen Meldebehörden in Deutschland offenbar so gut wie gar nicht, wer Ihnen da gegenüber steht und einen Ersatzpass beantragt. "Es ist kein Problem, die Identität einer Person anzunehmen, die man gar nicht ist - und dann fleißig Konten zu eröffnen oder Kreditkarten zu beantragen", so Juhl über einen offensichtlichen Missstand, der seitens der Behörden nicht gerne öffentlich angesprochen wird.
Kriminelle nutzen diesen gerne aus. Genauso werde auch Falschgeld immer mehr perfektioniert, auch ist mit einer hohen Zunahme von geklonten Kreditkarten zu rechnen. Eine hohe Gefahr gehe zudem von Computerviren aus. "Der weit verbreitete Virus 'Conficker' hat uns am 1. April dieses Jahres noch einmal verschont, doch er könnte bald mit voller Wucht zuschlagen, zum Beispiel, indem er alle betroffenen Festplatten sperrt und nur gegen 'eine geringe Gebühr' wieder frei gibt." Doch auch ohne Virus - die Spuren, die jeder Nutzer täglich im Internet hinterlässt, bleiben.
Nachzuprüfen ist das leicht unter www.archive.org, dem Gedächtnis des Internets, in dem sich längst vergessen geglaubte Seiten wiederfinden. Experten haben da natürlich noch andere technische Möglichkeiten, auf den ersten Blick gelöschte Einträge und Fotos zu rekonstruieren. Deshalb sind die Folgen der naiven Datenveröffentlichung im Hause Sawers auch so groß: Trotz Löschung der entsprechenden Facebook-Seite wird die Familie des Geheimdienstchefs wohl umziehen und zusätzlichen Personenschutz erhalten müssen.
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