07.08.2009
Twitter GooglePlus Facebook

Unternehmen und Twitter

"Die Meute verzeiht keine Fehler"

Von Anja Tiedge

3. Teil: Twitter-Richtlinien für Mitarbeiter einführen

mm.de: Das momentane Interesse an Twitter erinnert an den Rummel um Blogs, der vor etwa drei Jahren aufkam und mittlerweile wieder abgeflaut ist. Könnte Twitter ein ähnliches Schicksal ereilen?

Nicole Simon, Nikolaus Bernhardt: "Twitter. Mit 140 Zeichen zum Web 2.0."; Open Source Press, Dezember 2008, 235 Seiten, 19,90 Euro.
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Simon: Der Medienhype um Blogs mag vorbei sein. Die Frage ist doch aber, warum Unternehmen solche Kommunikationskanäle nicht bespielen sollten, wenn sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zumal sie nebenbei das Google-Ranking verbessern und die technische Hürde beim Twittern viel geringer ist, weil ich mich in kürzester Zeit anmelden kann und mir keine Gedanken etwa um Grafik machen muss, wie es bei Blogs der Fall war.

Es gibt einen Grund, warum Konzerne wie Daimler Chart zeigen, die schon bei Blogs Vorreiter waren, nun auch mit ihrem Twitter-Account erfolgreich sind: Im Laufe der Zeit haben sie das entsprechende Know-how gesammelt und sind nun früh dabei.

mm.de: Benötigt man dafür eine Vollzeitstelle, oder geht Twittern nebenbei?

Simon: Wenn man Erfahrung mit Twitter hat, geht das nebenbei. Dann ist es ein kleiner Bestandteil des Arbeitstages: neue Sachen einzustellen, zu checken, welche Antworten ich bekommen habe, darauf zu reagieren. Bei einer guten Planung braucht man dafür höchstens eine Stunde am Tag. Wenn man keine Ahnung vom Twittern hat, ist es allerdings ein Vollzeitjob.

Intern stellt sich aber die Frage, wer überhaupt twittert, also im Namen des Unternehmens sprechen darf. Das sollte klar geregelt sein, denn dass Mitarbeiter über Twitter unbedacht sensible Informationen veröffentlichen, sehe ich als große Gefahr. Das ist ein großer Balanceakt.

mm.de: Raten Sie Unternehmen dazu, Richtlinien fürs Twittern einzuführen?

mm.de bei Twitter

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Simon: Ja, ich denke, es sollte schriftliche Guidelines geben. Viele Mitarbeiter sind sich nämlich nicht im Klaren darüber, welche Auswirkungen manche Details haben können: Dass dieser oder jener Auftrag geplatzt ist, kann durchaus eine börsenrelevante Information sein. Ich würde mir als Unternehmer einfach mal die Guidelines großer Firmen anschauen, etwa von IBM Chart zeigen. Natürlich kann man Mitarbeitern nicht verbieten, auch privat über ihren Arbeitgeber zu twittern. Sie sollten sich allerdings der Grenzen bewusst sein. Das gilt übrigens nicht nur für Twitter, sondern auch für Blogs, Foren, Chats und so weiter.

Man sollte allerdings auch so viel Vertrauen in die Belegschaft haben, nicht jedes Detail festzulegen. Dann kommt doch nur Werbung heraus - und das vergrätzt am Ende die Leser.

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