15.06.2009
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Edeltelefone

Vom Innenleben der Luxus-Handys

2. Teil: Luxus-Boliden: In feiner Schale

"Genügt das Branding oder will ich was wirklich Exklusives?" - Anhand dieser Frage sei die Grenze zwischen Design-Handys und wirklichen Luxus-Boliden zu ziehen, sagt Eckstein. Ebenso wie das Nokia 8800 mit Titanhülle für rund 900 Euro falle das Motorola-Modell Aura mit seinem Verkaufspreis von 2000 Euro in die Jetset-Gattung.

Goldfish: Hunderte Diamanten schmücken das Gehäuse
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Goldfish: Hunderte Diamanten schmücken das Gehäuse

Als Partner holte sich Motorola keinen Designer, sondern den als Stilikone gehandelten Fußballer David Beckham. Hervorgehoben werden bei diesem "ersten Handy mit kreisrundem Display" das Edelstahlgehäuse und die "chemisch geätzte Oberflächenstruktur" - und dass die Herstellung allein der Vorderseite zwei Wochen dauere.

"Im Prinzip muss ich dem Luxusgerät ansehen, und so muss es sich auch anfühlen, dass es kein Massenprodukt ist", sagt Eckstein. Was für Motorola gelten dürfte, schreibt sich Nokia schon seit Jahren auf die Fahnen - speziell mit seiner Edelmarke Vertu, die in einer höheren Liga spielt. Seit 1998 gibt es Vertu. Nach Beobachtung Ecksteins operierte die Luxusmarke zunächst mit mäßigem Erfolg, mittlerweile aber gewinnbringend: "Das Konzept rechnet sich langsam."

Vertu-Geräte kosten 4100 bis 60.000 Euro, je mehr edle Metalle und Diamanten den Handschmeichler schmücken und je seltener es ein Modell durch Limitierung gibt, desto höher ist der Preis. Die nach Herstellerangaben "aus purem Gold oder Platin" hergestellten Modelle der Signature-Reihe sind mit einem Feingehaltsstempel des Schweizer Zentralamts für Edelmetallkontrolle versehen. Alle Klingeltöne und Sounds des Signature stammen demnach aus einem eigens für Vertu komponierten Musikstück aus der Feder von Oscar-Preisträger Dario Marianelli, das vom London Symphony Orchestra eingespielt wurde. Im Preis inbegriffen: Ein sogenannter Concierge-Service, laut Eckstein ein 24-Stunden-Dienst (Vertu: Lifestyle-Berater), der etwa bei Hotel- oder Restaurantbuchungen weltweit dezenten Kundensupport verspreche.

Den Marketingvogel schoss vor drei Jahren der schweizerische Hersteller Goldvish ab, der mit Le million tatsächlich so viel Geld für sein in Diamanten und Gold gewandetes Telefonschätzchen verlangte: eine Million Euro. Verkauft wurden nach eigenen Angaben drei Geräte. Derzeit kostet das teuerste Goldvish-Gerät 255.000 Euro.

Modelle der Illusion Collection stehen je nach Diamanten-Upgrade ab 20.900 Euro in der Liste. Dafür aber verspricht Goldvish "beste Schweizer Handarbeit". Auch in der Krise bezeichnet der Hersteller sein Geschäft als "stabil" und begründet dies mit seinem Nischenangebot für die Betuchten, die ohnehin kauften. Über Verkaufszahlen und weitere Details hält man sich bedeckt.

Experte Eckstein sieht dennoch einen Widerspruch, den gerade die Hersteller der Edeltelefone nicht ganz auflösen könnten: "Wenn ich ein teures Produkt kaufe, sollte das zeitlos sein." Da der Funktionsumfang der Handys immer weiter zunehme, seien Mobiltelefone aber alles andere als zeitlos. Vertu, GoldVish und Co. redeten sich damit heraus, dass Handys meist nur zum Telefonieren und SMS-Schreiben genutzt würden.

Stefan Robert Weißenborn, ddp

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