Toronto/Berlin/Hamburg - Nach der Enttarnung eines international operierenden Spionagenetzes im Internet hüllen sich deutsche Behörden in Schweigen. Anfang dieser Woche wollten weder das Auswärtige Amt in Berlin noch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Köln eine Einschätzung abgeben, in welchem Umfang Deutschland oder deutsche Vertretungen im Ausland betroffen sein könnten.
Nach Erkenntnissen kanadischer Forscher hat das Netz weltweit in weniger als zwei Jahren mindestens 1295 Rechner in 103 Ländern ausgespäht und zahllose Dokumente gestohlen. Auch einige ausländische Botschaften in Deutschland stehen auf der Liste.
Nach seiner Aufdeckung fuhr das von den Forschern "Ghostnet" (Geisternetz) getaufte Netzwerk seine Aktivitäten am Montag zurück. Die Wissenschaftler des Munk-Zentrums für Internationale Studien der Universität Toronto berichteten bei einer Pressekonferenz, nach zunächst unverändertem Tempo seien die Aktionen seit Mittag (Ortszeit) eingeschränkt worden.
Der federführende Wissenschafter Ron Deibert nannte die Erkenntnisse einen Weckruf für die Politik. "Was wir sehen, ist ein internationales Verbrechen. Wir müssen anfangen, über Wege einer Waffenkontrolle im Cyberspace nachzudenken", forderte er.
Dem am Wochenende im Internet veröffentlichten Bericht zufolge sind bis zu 30 Prozent der infizierten Rechner "hochrangige Ziele" wie Regierungsstellen, Außenministerien, Medien und internationale Organisationen. Auf der Liste stehen auch die indische, portugiesische und cypriotische Botschaft in Deutschland sowie die deutsche Botschaft in Australien.
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