Freitag, 10. Februar 2012, 01:24 Uhr

manager magazin



23.03.2009
 

Bundesdatenschützer Schaar

"Ich habe Facebook schätzen gelernt"

Von Anja Tiedge

Unser Bundesdatenschützer hat einen Facebook-Account. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagt Peter Schaar, was er dem Datensauger abgewinnt, warum Personaler mehr Verständnis für Internet-Partybilder von Bewerbern haben sollten und was ein Datenschutzgütesiegel für Unternehmen taugt.

mm.de: Herr Schaar, Sie sind beim Onlinenetzwerk Facebook registriert. Das klingt ungewöhnlich für einen Datenschützer ...

  Peter Schaar  ist seit 2003 Bundesbeauftragter für den Datenschutz. Im November 2008 wurde er vom Deutschen Bundestag für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Zur Großansicht
DPA

Peter Schaar ist seit 2003 Bundesbeauftragter für den Datenschutz. Im November 2008 wurde er vom Deutschen Bundestag für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Schaar: Ich glaube, ich bin der einzige amtliche Datenschutzbeauftragte in Deutschland, der bei Facebook registriert ist. Mein Anliegen ist dabei hauptsächlich, das Portal kennenzulernen, damit zu experimentieren und Erfahrungen mit virtuellen Verhaltensweisen zu machen. Dort sind aber nur nicht sensible Informationen über mich abrufbar, sondern meine Botschaften beziehen sich im Wesentlichen auf Berufliches. Dabei habe ich Facebook durchaus schätzen gelernt. Manchmal rege ich mich aber auch über solche Dienste auf.

mm.de: Worüber?

Schaar: Zum Beispiel über die völlige Belanglosigkeit von vielem, was da eingestellt wird. Da gibt es drei Arten von Beiträgen: Einmal eine sehr persönliche, bei der man mitteilt, wie man sich fühlt und was man gerade macht. Dass man gerade eine Pizza gegessen hat und diese einem nicht so gut bekommen ist. Das haut mich nicht wirklich vom Hocker.

Dann sind da die Politiker-Accounts, die aus Sprechblasen bestehen, und bei denen ich manchmal das Gefühl habe, sie haben gar nicht selbst geschrieben. Aber es gibt auch eine dritte Art von Beiträgen, die ich durchaus ernst nehme. Da haben Teilnehmer ein Anliegen und nutzen das Medium, um sich darüber auszutauschen, zu diskutieren und Verabredungen zu treffen. Das ist für mich eine sinnvolle Ergänzung anderer Kommunikationsformen.

mm.de: Mehr missfällt Ihnen nicht an sozialen Netzwerken?

Schaar: Was mich vor allem stört, ist die Gedankenlosigkeit, mit der solche Dienste genutzt und persönliche Informationen ins Internet gestellt werden. Das ist insbesondere bei Jugendlichen der Fall, aber nicht nur bei ihnen. Die Leichtigkeit und Spontaneität der Kommunikation üben für viele einen ungeheuren Reiz aus. Insbesondere Kinder und Jugendliche unterscheiden vielfach nicht, ob sie sich in einem virtuellen oder einem realen Raum aufhalten und geben dadurch oft ungewollt ihre Privatsphäre preis.

mm.de: Ist das ein Grund dafür, dass Sie Personaler in Unternehmen zu mehr Toleranz mit Informationen aus dem Netz aufrufen?

Schaar: Absolut. Unter den vielen persönlichen Informationen, die im Internet kursieren, sind oft auch solche, die man gemeinhin als kompromittierend bezeichnen würde. Da macht es zum Beispiel für Personaler keinen Sinn, jemanden aufgrund von Partybildern für ungeeignet zu halten, während derjenige, der es schafft, dort nicht aufzutauchen, als Musterbewerber erscheint. Wenn die Wirtschaft das als Auswahlkriterium erachtet, stellt sie sich selbst ein Bein.

Unabhängig davon verlange ich aber von den Netzwerken, ihre Voreinstellungen so zu gestalten, dass nicht alle Welt auf private Daten zugreifen kann. Das ist nämlich nicht der Fall. Die Voreinstellungen sind in fast allen Netzwerken datenschutzunfreundlich.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben