Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:53 Uhr

manager magazin



27.02.2009
 

Webciety

Am Anfang war das Wort

Von Achim Berg

"Internet is coming home" heißt es auf der Branchenmesse Cebit. Doch wo genau liegt dieses Zuhause? Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft, hat sich für manager-magazin.de auf die Suche gemacht und sagt, wie die Cebit mit der Webciety um eine gesellschaftliche Verortung des Internets ringt.

Die IT-Branche ist innovativ. Das zeigt auch ihr ungebrochenes Faible für neudeutsche Wortschöpfungen: Ob Dotcom, Web 2.0 oder Wiki - nicht nur die Prozessorleistung in Computern wächst ungebremst. Gleiches gilt für das Bedürfnis, diese rasanten Veränderungen in Worte zu fassen. Der neueste Spross hört auf den Namen Webciety. Das Kunstwort, zusammengesetzt aus Web und Society, bezeichnet eines der Leitthemen der diesjährigen Cebit.

  Achim Berg  ist Chef von Microsoft Deutschland und Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom
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DPA

Achim Berg ist Chef von Microsoft Deutschland und Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom

Ergänzt wird die Kreativschöpfung durch das Motto "Internet is coming home". Doch was ist gemeint? Wo liegt das Zuhause? In den Messehallen, auf den Podien der Cebit oder tatsächlich inmitten der Gesellschaft?

Der Begriff Webciety wirkt derzeit noch etwas schmalschultrig. Ob er die nächsten Tage und die Wochen nach der Cebit an Substanz gewinnt, hängt nicht allein davon ab, wie viel Gewicht er im Rahmen der vielen Publikationen und Diskussionsrunden der Branche zulegen kann. Es wird auch davon abhängen, ob Webciety tatsächlich die Lebenswirklichkeit möglichst vieler Menschen außerhalb des Messegeländes einfängt. Sonst bliebe er lediglich die charmante Übertreibung einer digitalen High Society, die sich vielleicht etwas zu früh mit dem Rest der Welt verbrüdert.

Hat das Internet tatsächlich die Strukturen und Funktionsweisen der Gesellschaft bereits so grundlegend verändert, dass ein solcher Begriff über den Anlass einer Branchenmesse hinaus Sinn ergibt?

Das WWW wird 20

Zur Erinnerung: Im Jahr 1989 erblickte das auf HTML und Browser basierte World Wide Web das Licht der Welt. Bekanntlich konnte das Internet erst in dieser von Tim Berners-Lee entwickelten Gestalt populär und massenwirksam werden.

Was den Globus angeht - oder sagen wir: die Weltgesellschaft - wird das Internet gegenwärtig von rund 1,5 Milliarden Menschen genutzt, und in fünf Jahren werden es voraussichtlich eine Milliarde mehr sein. Derartige Erhebungen und Prognosen zählen seit Jahren zum Standardprogramm von Statistikern und Web-Analytikern.

Erhebungen, die immer wieder für alle Nationen, Regionen und Kontinente, für alle Funktionssysteme der Gesellschaft (Wirtschaft, Politik, Medien und so weiter), für die organisatorische Ebene (Unternehmen, Parteien, Verlage et cetera) und nicht zuletzt für die individuelle Ebene von Gesellschaft (Haushalte, Generationen, Lebenszyklen und so weiter) durchgeführt werden. Die Logik der großen Zahlen, die Dynamik, die Reichweite - all das spricht für sich. Aber folgt aus der Quantität eine neue gesellschaftliche Qualität?

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