Auch soziale Online-Netzwerke weisen den Weg zum Wissen. IBM- Mitarbeiter Suarez ist in seiner Heimat Gran Canaria nur einen Klick von Kollegen in Amsterdam, New York oder Berlin entfernt. Auch flüchtige Bekanntschaften bleiben im Blick - dank des Fotos im Profil und einer Art Ticker, der über Aktivitäten der Freunde und Kollegen informiert.
Diesen Effekt beschreibt Jeffrey Mann, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Gartner, als die "Kraft der schwachen Verbindungen": "Es kann für Wissensarbeiter sehr wertvoll sein, mit vielen Leuten lose im Kontakt zu sein."
Wenn Suarez mit Kollegen an einer Präsentation arbeitet oder einen der unbeliebten Statusberichte verfassen muss, nutzt er ein Wiki. Wie im Online-Lexikon Wikipedia können alle Mitarbeiter gemeinsam den Text bearbeiten, ohne dauernd Aktualisierungen herummailen zu müssen. "Dieses Instrument lässt sich am einfachsten in Unternehmen einführen", sagt Gartner-Analyst Mann. Auch in Deutschland werkeln bereits zahlreiche Projektteams mit diesem Instrument, wenn auch der Einsatz im kompletten Unternehmen noch selten ist.
Luis Suarez kann sich ein Leben ohne Blogs, Wikis und Co. nicht mehr vorstellen. Doch "Enterprise 2.0" lässt sich nicht herbeibeamen. Laut einer Bitkom-Studie unter 400 zumeist techniknahen deutschen Unternehmen glauben zwar neun von zehn Entscheidern, dass Web-2.0-Technologien an Bedeutung gewinnen werden, aber nur jeder zehnte bezeichnete sie als Investitionsschwerpunkt.
Viele Chefs haben Sicherheitsbedenken gegenüber der noch jungen Technologie. Und was passiert eigentlich, wenn Mitarbeiter ganze Tage mit Blogeinträgen verschwenden? Oder wenn sie dem Chef eine Beleidigung auf der Pinwand im Online-Netzwerk hinterlassen? "Das Unternehmen sollte Regeln aufstellen, worüber man bloggen sollte und wie viel Zeit man dafür hat", stellt Gartner-Experte Mann klar.
Dennoch könnte der neue Ansatz einen Kulturschock auslösen. "Es handelt sich um eine Unternehmensphilosophie, nicht bloß um den Einsatz einer Technologie", sagt Bitkom-Experte Weber. Der Chef müsse bereit sein, Mitarbeitern mehr Verantwortung und Freiraum zu lassen. Die Mitarbeiter wiederum müssen Lust aufs Mitmachen haben. "Ich nutze die Community - aber ich gebe ihr auch etwas zurück", sagt Luis Suarez. Wer fragt, muss anderen auch antworten - nur nicht per Mail.
Christof Kerkmann, dpa
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