Donnerstag, 9. Februar 2012, 14:12 Uhr

manager magazin



29.01.2009
 

Obama

Der Webpräsident und die Starreporter

Von Marc Pitzke

Ob YouTube-Reden, ein Facebook-Account oder die frischrenovierte Webseite des Weißen Hauses: US-Präsident Barack Obama liebt es, sich im Internet zu präsentieren. Die etablierten Korrespondenten der US-Regierung reagieren verärgert, denn sie fürchten um ihre Exklusivität.

New York - Barack Obama sitzt vor einem penibel sortierten Bücherregal im Weißen Haus. Links das Sternenbanner und die US-Präsidentenflagge ("E pluribus unum"), rechts ist ein Beistelltischchen ins Bild gerückt, darauf ein Blumenstrauß und ein Kerzenleuchter. Obama blickt direkt in die Kamera. "Wenn wir nicht kühn und rasch handeln", sagt er ernst, "wird eine schlechte Situation dramatisch schlechter werden."

Die erste wöchentliche Videoansprache des neuen US-Präsidenten stellte Rekorde auf. Allein auf YouTube wurde der Fünf-Minuten-Clip vom Samstag, in dem Obama sein Konjunkturpaket propagierte, bisher mehr als 900.000 mal angeklickt, von den Zugriffen über die Webseite des Weißen Hauses ganz zu schweigen. Dies, postuliert die "New York Times", markiere endgültig den Beginn der "YouTube-Präsidentschaft".

Samstagsreden - bisher in Form von Radioansprachen - gehören zum US-Präsidenten wie "Hail to the Chief", der Bläsermarsch, der zu seiner Begrüßung stets gespielt wird. Seit den "Fireside Chats", mit denen Franklin Roosevelt die Bürger ab 1933 durch harte Wirtschafts- und Krisenzeiten tröstete, sind sie ein Vehikel präsidialer Propaganda.

Zuletzt wurden sie jedoch kaum mehr registriert. Erstens wegen der abnehmenden Relevanz des Mediums. Zweitens wegen des unpopulären Redners George W. Bush. Obama ist nun der erste US-Präsident, der seine "Weekly Address" als Video ins Netz stellt, mit durchschlagendem Erfolg.

Mehr noch: Das Weiße Haus hat sich auf YouTube einen eigenen Kanal eingerichtet. Dort wurde allein der 21-minütige Clip von Obamas Antrittsrede, trotz windig-verwackeltem Bild, bereits fast eine Million Mal angeklickt.

Obamas YouTube-Auftritt ist nur eine vieler Methoden, mit denen er sich über die Köpfe der etablierten Medien hinweg direkt an die Amerikaner zu wenden versucht. Sehr zum Ärger des Korrespondentenkorps im Weißen Haus: Den Starreportern schmeckt es gar nicht, nur noch die zweite Geige zu spielen.

"Wir haben eine Tradition, wie wir über den Präsidenten berichten", erinnerte CBS-Veteran Bill Plante den neuen Regierungssprecher Robert Gibbs auf dessen erster, konfrontativer Pressekonferenz vergangene Woche säuerlich. Doch um diese Tradition schert sich Obama wenig. Wie schon im Wahlkampf kommuniziert er lieber ohne den Medienfilter - oder nutzt ihn als Verstärker.

Und zwar nicht nur auf YouTube. Sondern auch auf Social-Networking-Sites, etwa mit seinen Profilseiten auf Facebook und MySpace, und über die frischrenovierte White-House-Website. Die enthält sowohl eine Kommentarspalte für Bürger wie einen "Blog", der allerdings nichts anderes ist als ein cooles Megafon für Pressemitteilungen.

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