Mittwoch, 8. Februar 2012, 05:00 Uhr

manager magazin



09.12.2008
 

Krisenbewältigung

Auf stur und stumm geschaltet

Von Karsten Stumm

Abtauchen, abwarten und nicht auffallen – das scheint das Kommunikationskonzept deutscher Topunternehmen in der Finanzkrise zu sein. Eine exklusive Untersuchung für manager-magazin.de zeigt, wie wenig die Firmen mittels Internet die schnellstmögliche Information der eigenen Kunden, Angestellten und der Öffentlichkeit nutzen. Fachleute sind bestürzt.

Düsseldorf - Zehn Millionen Mal, antwortet Google. So oft wurde versucht, die Finanzkrise zu erklären. Wie es ist, dieses Biest. Und welches deutsche Topunternehmen, dessen Aktien im Frankfurter Aktienleitindex Dax Chart zeigen gelistet sind, es gefährdet. Zehn Millionen Mal - was für eine Zahl! Dabei haben die Dax-Unternehmen selbst kaum etwas dazu beigesteuert. Im Gegenteil: Die Dax-Doyens schweigen lieber darüber, ob sie in diese Wirtschaftskrise verstrickt sind, und zwar eisern.

Nichts, so ahnt man, kommt ihnen nah. Eigentlich, so scheint es, sind sie gar nicht da. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Studie für manager-magazin.de.

"Obwohl die aktuelle Finanzkrise so viele Fragen und Ängste bei Verbrauchern und Angestellten wie Bankkunden hervorruft, die schnell beantwortet werden müssten, reagiert eine Vielzahl der Dax-Unternehmen nicht. Dabei hätten sie mit ihren Internetseiten genau die Technik zur Verfügung, um fix über das eigene wirtschaftliche Schicksal zu informieren", sagt Thorsten Greiten, Geschäftsführer der Kölner Agentur Net-Federation; sie hat sich auf Kommunikationslösungen für Unternehmen via Internet spezialisiert und die Onlinereaktion der Dax30-Unternehmen auf die Finanzkrise für manager-magazin.de analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Mehr als zwei Drittel der deutschen Topunternehmen waren selbst mehrere Wochen nach Ausbruch der schwersten Finanzmalaise der vergangenen Jahrzehnte nicht in der Lage zu erläutern, ob sie direkt oder auch nur indirekt von ihr betroffen sind. Mehr noch: 80 Prozent der Finanzvorstände waren von ihren eigenen Kommunikationsexperten offenbar nicht dazu zu bewegen, via Internet schnell Stellung zu beziehen.

Ebenso viele Dax-Firmen sahen sich wochenlang außerstande, den eigenen Kunden oder Angestellten auch nur einen Ansprechpartner zu nennen, der ihre Fragen beantworten soll. Dabei haben gerade die Topunternehmen im Lande längst einen Mitarbeiterstab in ihren Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt, der die Personalstärke kompletter Zeitungsredaktionen übertrifft.

"Ich bin außerordentlich enttäuscht von der Leistung der Kollegen", kommentiert die Untätigkeit vieler deutscher Konzerne Ralf-Dieter Brunowsky, ehemals Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins "Capital" und nun Geschäftsführer der Kölner Kommunikationsagentur Brunomedia. "Die Chefs der Unternehmenskommunikation haben sich entweder nicht durchsetzen können oder versagt. In diesem Jahr waren die meisten von Ihnen ihr Geld sicher nicht wert. Wer 300.000 Euro und mehr im Jahr verdient, muss mehr leisten."

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