Von Anja Tiedge
"In Deutschland waren wir spät dran"
Und überall Kunst: Ob eine Skulptur aus Kleiderbügeln, ein zähnefletschender Bär mit Kettensäge oder Kleiderständer mit Totenköpfen – der Chef lebt sein Faible für Kunst in jeder Ecke des Unternehmens aus. "Auch wenn wir mittlerweile ein 900-Mann-Unternehmen sind, möchte ich die Start-up-Atmosphäre beibehalten." Besonders Pop-Art hat es Granjon angetan. Sein Büro sieht aus, als hätte Andy Warhol persönlich es dekoriert; sein Unternehmen bezeichnet er als Pop-Art-Firma. Das erklärt wohl auch die Unternehmensfarbe, ein schrilles Pink.
Doch wie finanziert Granjon das Ganze? Auf seiner Webseite gibt es keine Werbebanner, die Mitgliedschaft ist kostenlos. "Wir verdienen, indem wir auf den Produktpreis eine Marge von rund 30 Prozent aufschlagen", sagt Granjon. Trotzdem ist es bei einem derartigen Produktionsapparat für Außenstehende kaum vorstellbar, dass er seit drei Jahren Gewinne schreibt. Wie hoch die sind, verrät er allerdings nicht. Für 2008 peilt Granjon einen Umsatz von 500 Millionen Euro an. "Das Ziel werden wir wohl trotz Wirtschaftskrise erreichen", sagt er. Ohne Krise liefen die Geschäfte zwar besser, aber er leide nicht so sehr wie andere darunter: "Schließlich achten alle stärker aufs Geld – und wollen trotzdem nicht auf Markenartikel verzichten."
Dass Vente Privée ein relativ krisenfestes und wachstumsstarkes Unternehmen ist – erreicht Granjon sein diesjähriges Umsatzziel, bedeutet das ein Wachstum von gut 40 Prozent – hat auch den US-Investor Summit Partners gereizt. Im Mai vergangenen Jahres verkaufte Granjon 20 Prozent seiner Anteile an die Amerikaner. Ursprünglich sträubte er sich zwar gegen den Verkauf. "Ich habe dann aber die Chance gesehen, dass ein Verkauf an einen renommierten Investor unseren Bekanntheitsgrad erhöht." Außerdem erweitere ein Unternehmensfremder den Blickwinkel auf unternehmerische Entscheidungen: "Der Verkauf hat meinen strategischen Blick auf die Firma verbessert." Inwiefern die Veräußerung den Kontostand des Unternehmers aufgebessert hat, behält Granjon allerdings für sich.
Zur Strategie gehört für Granjon auch die Expansion ins Ausland. Vente Privée hat einen spanischen, italienischen, deutschen und englischen Ableger. In Düsseldorf will Granjon demnächst ein Büro eröffnen. 260.000 Mitglieder hat er hierzulande bereits. Doch deutschstämmige Konkurrenten wie BuyVIP oder Brands4Friends machen ihm das Geschäftemachen schwer. Seit ein bis zwei Jahren besetzen sie den deutschen Markt mit Granjons Geschäftsidee. Darin sieht der Franzose jedoch kein Problem. Ihr Nachteil sei, dass die Unternehmen relativ jung sind. "Zugegeben waren wir in Deutschland spät dran. Aber wir haben eine gute Maschinerie und langjährige Erfahrung hinter uns. Deshalb werden wir die deutsche Konkurrenz bald einholen."
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