25.11.2008
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Vente Privée

Der Marken-Messias

Von Anja Tiedge

Markenherstellern bereitet es seit jeher Bauchschmerzen, ihre Produkte günstig im Netz anzubieten: Sie fürchten den Preisverfall. Der Franzose Jacques-Antoine Granjon bringt die Labels dennoch dazu, ihre Produkte unter Ladenpreis im Web zu verkaufen. manager-magazin.de warf einen Blick hinter die Kulissen des Portals Vente Privée.

Paris/Hamburg – Dieser Mann gäbe einen fabelhaften Verkäufer ab. In einem Geschäft, in dem der Altersdurchschnitt niedrig und der Lautstärkepegel hoch ist, könnte er einem viel zu bunte, viel zu enge und viel zu teure Klamotten andrehen. Und man würde sich großartig darin fühlen.

In gewisser Hinsicht ist Jacques-Antoine Granjon auch Verkäufer. Doch der Mann mit der braunen Mähne, die ihm bis über die Schultern reicht, arbeitet nicht in überteuerten Szeneläden. Er bringt seine Markenware zu Sonderpreisen im Internet an den Mann, besser gesagt sorgen seine 900 Mitarbeiter dafür. Granjon ist Chef des französischen Onlineshops Vente Privée, in dem Markenartikler ihre Restposten günstig losschlagen.

Restposten? Günstig? Das klingt nach Grabbeltisch, nach miefigen Verkaufshallen am Rande des Industriegebiets. Eine Vorstellung, die mit dem Image von renommierten Marken wie Calvin Klein, Nike oder Adidas unvereinbar ist. Doch auch die Louis Vuittons und die Joops dieser Welt sind vor Überproduktion oder schlecht gehenden Kollektionen nicht gefeit. Auch sie müssen dafür sorgen, dass der Verlust nicht allzu hoch ausfällt, den Restposten verursachen.

Dieser Gedanke war es, der Granjon 2001 zur Gründung von Vente Privée veranlasste. Bereits 1985, als er 22 war, hatte er ein ähnliches Unternehmen auf die Beine gestellt, das auf der gleichen Idee fußte – nur dass jetzt, 16 Jahre später, ein entscheidender weiterer Vertriebskanal bereitstand: das Internet.

Als Granjon den Markenherstellern anbot, ihre Kleidung, ihren Schmuck oder ihr Parfum im Internet zu verkaufen, biss er zunächst auf Granit. "Ihre Befürchtung war, dass die Ware irgendwo auf dem Grabbeltisch oder in Fernost landet oder damit irgendetwas passiert, das sie nicht kontrollieren können", sagt der 46-Jährige. "Die Hersteller hatten damals regelrecht Angst vor dem Internet."

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