03.11.2008
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Corporate Videoblogs

Die Angst vor der Kamera

Von Nils Jacobsen

Jahre nach dem Siegeszug von YouTube entdecken deutsche Manager den Kommunikationskanal Videoblog - wenn auch zurückhaltend: Während Springer-Chef Mathias Döpfner den US-Konzern Apple im Intranet feiert, hat Telekom-Primus René Obermann das Projekt Videoblog nach kurzer Zeit scheinbar schon wieder aufgegeben. Eine Bestandsaufnahme.

Hamburg - In Deutschland dauerte im Internet alles schon immer etwas länger. Die Vorbilder kamen aus den USA – und wurden kopiert. Was Facebook kann, muss auch in deutscher Nachahmung funktionieren, müssen sich die StudiVZ-Gründer vermutlich gedacht haben. Ähnliches gilt wohl für die Motivation der deutschen YouTube-Herausforderer Sevenload und Clipfish.

Vom Intranet zu YouTube: Springer-Chef Döpfner wandte sich per Video an seine Mitarbeiter
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Vom Intranet zu YouTube: Springer-Chef Döpfner wandte sich per Video an seine Mitarbeiter

Und nicht zuletzt bei den Inhalten selbst ist immer hartnäckiges Nachzüglertum zu beobachten. Während US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama seit Beginn seines Wahlkampfs auf der Kommunikationsplattform Twitter neue Standards setzt, fühlte sich auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil befleißigt, seine Gedanken unter das Volk zu bringen – um damit dann mehr oder weniger überraschende Ein- und Ansichten ("Musik und tanz. Mehr los als bei pink floyd konzerten."), aber auch erschreckende Rechtschreibkenntnisse zu offenbaren ("Angriff und Treffer: Bush hat oekonomisch versagt. Wer kann ihm da wiedersprechen? (sic!)").

Döpfner erklärt den Mitarbeitern den Mac-Wechsel per Videoblog

Ein ähnliches Szenario könnte sich auch bei einer anderen beliebten Kommunikationsform des Web 2.0, den Videoblogs, abspielen. Die Skepsis gegenüber Videoinhalten, die mit dem Aufstieg der Onlinecommunity YouTube zum unverzichtbaren Bestandteil des Internetzeitalters avancierten, schien zumindest in der deutschen Unternehmenslandschaft – wie schon beim klassischen Blog – wieder einmal ziemlich groß.

Warum also nicht den Testlauf einmal intern wagen, muss sich Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner gedacht haben und informierte seine Mitarbeiter im Juli über "eine grundlegende IT-Entscheidung" – per Videoblog. Die Mitarbeiter des größten deutschen Verlagshauses erleben einen aufgeräumten Chef, der ihnen im unverbindlichen Plauderton erklärt, warum "sie demnächst vielleicht noch ein bisschen lieber an den Schreibtisch gehen".

Springer verkündete nicht weniger als die flächendeckende Umstellung auf Apple-Computer, die den Medienkonzern zum "größten Apple-Firmenkunden in Europa überhaupt" macht und weltweit zur Nummer zwei nach Google. Warum der Schritt nötig war, erläutert der Verlagschef voller Überzeugung: Dass Apple "die schönsten Computer" herstelle, sei laut Döpfner einer der Beweggründe für den Wechsel gewesen.

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