Von Konrad Lischka
Hamburg - Der Bildschirm war gerade mal so groß wie eine CD, die Grafik bestand aus grün leuchtenden Strichen auf schwarzem Grund - Videospiele stellt man sich heute anders vor. Doch vor einem halben Jahrhundert war der schwarzgrüne Monitor die Attraktion im US-Grundlagenforschungszentrum Brookhaven bei New York. Die Besucher beim Tag der offenen Tür im Oktober 1958 standen Schlange, um eine Partie Computertennis zu spielen.
Das ging 1958 so: Die beiden Spieler (gegen den Computer konnte man nicht spielen) standen vor einem Oszilloskop (eigentlich ein Messgerät, das den Verlauf von Spannungen anzeigt), halten jeweils einen Steuerkasten in Schokotafelgröße in der Hand. Der eine Knopf darauf schlägt den Tennisball auf dem Schirm ab, der anderen bestimmt per Drehung den Abschlagswinkel.
Auf dem Schirm zieht der Tennisball seine Bahnen (er hat tatsächlich einen Schweif), ein Netz ist noch zu sehen - die Schläger aber nicht. Es gibt keinen Punktestand - wenn ein Spieler den Ball nicht erwischt, kullert der hinten aus dem Feld und taucht dann sofort wieder beim Gegner für einen neuen Aufschlag auf (siehe Video unten).
Dass dieses Spielgerät einmal als Vorläufer einer Milliardenindustrie, als Urahn von Videospielklassikern wie Pong gelten wird, hat der Erfinder William Higinbotham 1958 nicht gedacht. Der 1910 geborene Physiker leitete damals die Abteilung für Messgeräte (Information Division) am Brookhaven National Laboratory (BNL).
An dem Zentrum arbeiteten Wissenschaftler unter anderem mit drei Forschungsreaktoren und dem Teilchenbeschleuniger "Cosmotron". Higinbotham wollte mit seinem Computertennis (er taufte die Entwicklung Tennis for Two) Öffentlichkeitsarbeit machen. Das BNL zitiert aus Higinbothams Notizen diese bescheidene Einschätzung seines Spiels: "Es könnte den Ort etwas aufheitern, wenn wir ein Spiel hätten, das die Leute spielen können und das zeigt, welche Relevanz unsere Forschung für die Gesellschaft hat."
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