Von Matthias Kremp
Hamburg - Selten wurde ein Nokia-Handy so sehnlich erwartet, selten hat eines so sehr enttäuscht. Mit dem Modell 5800 Xpressmusic werde der Konzern Apples iPhone von seinem Touchscreen-Thron stürzen, hofften Fans des finnischen Unternehmens. Unter dem Codenamen "Tube" geisterte Nokias erstes Touchscreen-Handy seit Monaten durch die Gerüchtebörsen, tauchte gar verschwommen in manchen Präsentationen auf. Am Donnerstagabend nun hat das Unternehmen endlich den Schleier gelüftet - und seine Fans enttäuscht.
Am meisten Kritik bekommt der berührungsempfindliche Bildschirm des Nokia
ab. Dessen Auflösung liegt zwar mit 630 x 360 Bildpunkte deutlich über der des iPhone und auch über die Bildqualität des Geräts gibt es keine Klagen. Die Bedienung per Fingerzeig allerdings wird von jenen, die das Gerät bereits ein wenig ausprobieren konnten, nicht gerade überschwänglich positiv bewertet. Das Gadget-Blog "
Gizmodo" geht die Sache technisch an, erklärt, der Bildschirm messe, wann und wo man mit dem Finger zwei hauchdünne Folien zusammendrückt. Beim iPhone hingegen werden die winzigen Ströme auf der Hautoberfläche der Finger ausgewertet.
Nach dem Urteil der Tester muss man beim Nokia 5800 deshalb mehr Kraft einsetzen, um eine Reaktion hervorzurufen. Zudem arbeite die Nokia-Technik weitaus weniger genau als das iPhone. Andere Kurztester bemängeln, man könne zwar Symbole antippen und verschieben, ein Wischen wie man es beim iPhone etwa benutzt, um Seiten umzublättern, sei aber nicht möglich. Auch eine Gestensteuerung scheint noch zu fehlen. Einige Tester griffen letztlich lieber zu dem mitgelieferten Bildschirmstift, statt sich per Finger durch die Menüs zu hangeln.
Touchscreen-Handy mit Doppel-Drehbildschirm
Letztlich aber ist das 5800 Xpressmusic für Nokia nur eine Fingerübung. Viel wichtiger als das Gerät selbst ist dagegen das darin verbaute Betriebssystem. Denn im Inneren des neuen Nokia feiert die fünfte Version des Handybetriebssystems Symbian S60 seine Premiere. Und dessen wichtigstes Merkmal sind die Touchscreen-Funktionen. Verwunderlich ist nur, dass dieses Update nicht zuerst in einem Highend-Gerät aus Nokias N-Serie zum Einsatz kommt. Anzunehmen ist daher, dass die Finnen in den kommenden Monaten noch weitere Mobiltelefone mit berührungsempfindlichen Bildschirmen vorstellen werden.
Wie so etwas aussehen kann war schon kurz in einem Nokia-Webcast zu sehen. Darin blitzte kurz ein Bild von einem Touchscreen-Handy mit Klappbildschirm auf. Dessen Besonderheit: Öffnet man das Handy und dreht den zweiten Bildschirm per Gelenkmechanismus um 180 Grad, wird der zu einer berührungsempfindlichen Tastatur. Ein solches Gerät, merkt " The Boy Genius Report" an, würde einen vortrefflichen Nachfolger für die aktuellen Communicator-Handys vom Typ E90 abgeben.
Ein Plektrum ist auch dabei
Aber auch das 5800 Xpressmusic kann sich mit seiner Ausstattung sehen lassen. Daten etwa saugt es per EDGE, UMTS oder HSDPA aus den Mobilnetzen und loggt sich per W-Lan in drahtlose Firmennetzwerke oder die Internetangebote auf Flughäfen und in Bahnhöfen ein. Damit man sich unterwegs nicht verläuft ist ein GPS-Empfänger an Bord, den man beispielsweise mit dem Nokia-eigenen Navigationsdienst Nokia Maps nutzen kann. Fotos schießt ein integrierte 3,2 Megapixel-Kamera, samt Carl-Zeiss-Optik. Als Speichermedium dienen Micro-SD-Karten. Eine solche Karte mit acht Gigabyte Kapazität wird beim Kauf mitgeliefert. Möglicherweise als Alternative zum mitgelieferten Bildschirmstift liegt im Paket zudem ein Plektrum, wie es Gitarristen für gewöhnlich verwenden.
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