Von Klaus Eck
Beiträge im Netz löschen?
Deshalb sollte man die Auswirkungen des digitalen Erscheinungsbildes nicht unterschätzen. In wenigen Sekunden entscheiden Kunden, ob sie ein Produkt kaufen oder nicht. Finden die Webnutzer unter den ersten Suchtreffern viele kritische Webseiten, ziehen sie ihre eigenen Schlüsse daraus. Dabei ist es völlig egal, ob die Informationen berechtigt oder sogar offensichtlich falsch sind.
Eine Garantie für die erfolgreiche Löschung ist das jedoch keineswegs. Reputation Defender versucht die Webseitenbetreiber in der Regel nur mit wirtschaftlichen und moralischen Argumenten zu bearbeiten, um einen missliebigen Artikel zu löschen. Selbst das kann jedoch aus einer kleinen Angelegenheit eine größere Krise machen, wenn die Angesprochenen nicht mitspielen und den Vorgang selbst schon als Problem ansehen. Juristisch gesehen gibt es allenfalls für verleumderische Inhalte und den digitalen Rufmord die Möglichkeit, Zwangsmaßnahmen einzuleiten.
Allzu viel nützt eine Löschung auch im Erfolgsfalle nichts, denn es gibt im Internet zahlreiche Querverlinkungen und Archivseiten, die dem Internet ein mächtiges Elefantengedächtnis verleihen. So kann man unter www.archive.org viele gelöschte Webseiten wiederfinden. In dem 1996 eingerichteten Internetarchiv finden sich heute rund 85 Milliarden gespeicherte Webseiten.
Nachhaltiger als der Versuch, alles schön zu reden, etwas löschen zu wollen und sich hinter einer perfekten (digitalen) Fassade zu verstecken, ist es, sich der Wirklichkeit offen zu stellen, möglichst viel Ehrlichkeit zuzulassen und auch zu kritischen Unternehmensthemen Stellung zu beziehen. Erst dann ist es möglich, wirklich nachhaltig die eigene Reputation positiv zu entwickeln.
Was nützt es, wenn man sich selbst für das beste aller Unternehmen hält und letztlich so nackt ist wie der Kaiser bei Hans Christian Andersen, weil alle Kunden es dank Google längst besser wissen? Denn die Kritik lauert nur einen Suchtreffer und einen Klick entfernt. Jeder schützt sich am besten vor dem Imageverlust, indem er sich in vollem Bewusstsein der öffentlichen Transparenz stellt und mit ihr gezielt arbeitet. Dem Zufall sollte sich hierbei niemand überlassen.
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