Von Klaus Boldt und Anja Tiedge
Hamburg - Gruner + Jahr (G+J) will offenbar nicht mehr für die Fachzeitschriftensparte des britisch-niederländischen Medienkonzerns Reed Elsevier
bieten. Das erfuhr manager-magazin.de aus Verhandlungskreisen. Ein G+J-Sprecher wollte dazu keinen Kommentar abgeben.
Als Gründe für den Rückzug nennt ein G+J-Vorstand das zur Zeit unbefriedigende Anzeigengeschäft bei dem britisch-niederländischen Unternehmen sowie die generell schlechten Aussichten im europäischen Werbemarkt für Printmedien.
Auch G+J selbst hat mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen: Der Umsatz des Verlagshauses ist im ersten Halbjahr um acht Millionen Euro auf 982 Millionen Euro gesunken. Hinzu kommt, dass der G+J-Mehrheitseigner, die Gütersloher Bertelsmann AG, milliardenhoch verschuldet ist und sich auf einen risikoreichen Bieterwettbewerb offenbar nicht einlassen will.
Die Höhe des G+J-Gebots war nicht bekannt. Die britische Zeitung "Daily Telegraph" hatte berichtet, in der ersten Runde seien zwölf Gebote für die Fachzeitschriften eingegangen, die einem Wert von 1,0 bis 1,25 Milliarden Pfund Sterling (1,26 bis 1,57 Milliarden Euro) entsprächen. Unter den Bietern waren Medienberichten zufolge der US-Verlag McGraw-Hill, die gemeinsam agierenden Private-Equity-Firmen Candover und Cinven, die amerikanischen Finanzinvestoren TPG
, Bain Capital und Providence Equity Partners sowie ein Bündnis von Quadrangle und Advent.
Der zu Reed Elsevier gehörende Fachverlag Reed Business Information gibt rund 400 Titel, Nachschlagewerke und Newsletter heraus und ist im Internet mit rund 200 Portalen im Markt. Zu der Sparte zählen Magazine wie "Variety", "Farmers Weekly" und "New Scientist". In Deutschland vertreibt Reed Elsevier unter anderen die Fachzeitschriften "Ärztliche Praxis" und "Digital Production".
Reed Elsevier hatte im Februar beschlossen, sich von den lukrativen Branchenblättern zu trennen, um sich unabhängiger von den schwankenden Anzeigeneinnahmen zu machen. Die Bieterschlacht sollte Anfang Oktober in die heiße Phase gehen.
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