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23.09.2008
 

IT-Sicherheit

Achtung, Feind hört mit

Von Karsten Stumm

Eine Spionagewelle rollt über Deutschland, vom Dax-Konzern bis zur Minifirma. Michael Hange, Vizepräsident des Bundesamts für Informationssicherheit, sagt im Interview, wie wichtige Firmeninformationen ausgespäht werden, warum die IT zum Angriffswerkzeug der Spione geworden ist und wie arglos deutsche Unternehmen sind.

mm.de: Herr Hange, viele deutsche Unternehmen gelten als technisch führend. Kann man deshalb sagen, dass sie auch führend darin sind, von Wettbewerbern und Geheimdiensten ausgespäht zu werden?

Hange : Nach allgemeiner Erkenntnislage der deutschen Sicherheitsbehörden gilt die Faustformel: Je größer das Know-how eines Unternehmens ist, desto interessanter ist es auch für Wettbewerber oder ausländische Geheimdienste.

mm.de: Sind wir wirklich schon so weit? Das hieße ja, dass quasi jedes Unternehmen mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen grundsätzlich gefährdet ist, ausgespäht zu werden.

Hange : Das ist wahr. Entwicklungspläne, Produktskizzen und Vertriebsinformationen, die man sich bei der Konkurrenz beschafft, ersparen einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Meine Empfehlung an Unternehmen, die im Bereich "Technik made in Germany" tätig sind, ist daher, besonders qualifizierte Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um ihr Wissen vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

  Michael Hange  ist Vizepräsident des Bonner Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Experte für den Schutz von Unternehmen
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Michael Hange ist Vizepräsident des Bonner Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Experte für den Schutz von Unternehmen

mm.de: Die internationalen Konkurrenten nehmen nicht mehr nur die großen hiesigen Konzerne ins Visier, sondern auch Mittelständler, manchmal sogar kleine Firmen. Warum rollt die Spionagewelle plötzlich so breit über Deutschland?

Hange : In Deutschland gibt es eine Vielzahl mittelständischer Betriebe, die in einem bestimmten Technologiebereich führend sind und deren Unternehmensinformationen einem beträchtlichen Wert entsprechen. Dank der Informationstechnik und der zunehmenden Vernetzung agieren diese Unternehmen global.

mm.de: Unglücklicherweise ist es genau diese Informationstechnik, die auch als Angriffswerkzeug zur Spionage eingesetzt wird.

Hange : Genau. Zudem liegen wertvolle Unternehmensdaten heute in der Regel digital vor, sodass man sich mit IT-gestützter Spionage beinahe unbemerkt Daten aneignen kann. Musste man früher Papierausdrucke von Konstruktionsplänen aus einem Unternehmen schmuggeln, kann man heute mit einem USB-Stick riesige Datensätze unauffällig entwenden.

mm.de: Wie groß ist der Schaden, der den deutschen Unternehmen schätzungsweise pro Jahr entsteht?

Hange: Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden liegt das Schadenspotenzial durch Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung bei über 50 Milliarden Euro jährlich. Das Fatale an der Spionage mittels IT und Internet ist dabei, dass der Ausgespähte in der Regel nicht merkt, dass ihm Informationen entwendet wurden.

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