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01.09.2008
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Branchenkritik

"Die IT-Industrie ist unreif"

Von Anja Tiedge

4. Teil: "Ich bin für mehr Realismus"

mm.de: Sie plädieren also dafür, dass Firmen pessimistischer an IT-Projekte herangehen sollten?

Milliardenschaden bei der Société Générale:  "Wenn man sich als Sicherheitsbeauftragter bewusst macht, welch kleinen Details existenzbedrohend werden können, kann einem das den Schlaf rauben"
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Milliardenschaden bei der Société Générale:
"Wenn man sich als Sicherheitsbeauftragter bewusst macht, welch kleinen Details existenzbedrohend werden können, kann einem das den Schlaf rauben"

Roeltgen: Ich bin für mehr Realismus. Viele Probleme in unserer Branche entstehen dadurch, dass wir anfangs zu optimistisch sind. Aber dass Schwierigkeiten auftreten werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und wenn man das, was man versprochen hat, nicht halten kann, ist das für alle hochgradig frustrierend.

mm.de: In der IT-Branche wird derzeit intensiv über IT-Sicherheit diskutiert. Spektakulär war der Fall Société Générale Chart zeigen, bei dem ein Händler durch unautorisierte Geschäfte mehrere Millionen Euro Schaden anrichtete. Ein Versagen der IT-Sicherheit?

Roeltgen: Ja, eindeutig. Wenn man sich den Fall genauer anschaut, wird es einem schwindelig: Der Händler hat die Abteilung gewechselt. Dabei wurde schlicht und einfach vergessen, ihm die Zugriffsrechte für das IT-System zu sperren. Also eine regelrechte Bagatelle - die aber wahnsinnige Konsequenzen hatte.

Solche Beispiele gibt es viele, jeden Tag. Die meisten haben weniger heftige Auswirkungen und kommen deshalb nicht in die Medien wie bei der Société Générale. Aber wenn man sich als IT-Sicherheitsbeauftragter bewusst macht, welch kleinen Details für ein Unternehmen existenzbedrohend werden können, kann einem das wirklich den Schlaf rauben. Ein Höllenjob.

mm.de: Hätte der IT-Verantwortliche der Bank den Schaden Ihrer Meinung nach abwenden können?

Roeltgen: Irgendjemand hat versäumt, dem Händler die Zugriffsrechte zu sperren. Also ein Fall von menschlichem Versagen. Da können Sie die besten IT-Prozesse der Welt haben - wenn sich ein Mitarbeiter nicht daran hält oder schlichtweg etwas vergisst, können Sie nichts dagegen tun.

Das ist wie beim Autofahren: Eigentlich wissen Sie, dass Sie am Stoppschild halten müssen. Aber in tausend Fällen passiert es Ihnen aus Unachtsamkeit doch einmal, dass Sie nicht stehen bleiben. Hundertprozentige Sicherheit hat man nirgends - auch nicht in der IT.

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