Informatiker und Unternehmer
Schließlich haben die Chefs auf Zeit verantwortungsvolle Aufgaben zu bewältigen. Laut der Umfrage von Ludwig Heuse werden Interimsmanager vor allem dann in die Unternehmen geholt, wenn Sanierungen oder Restrukturierungen anstehen. Dieser Punkt liegt mit 26 Prozent der Nennungen vorn. Außerdem sollen sie zusätzlichen Bedarf abdecken, Vakanzen überbrücken, Projekte leiten oder coachen.
Matthias Cropp, Partner bei Ludwig Heuse, versichert: "Mitarbeiter sprechen gegenüber einem Interimsmanager häufig viel offener über ihre Probleme." Diesen Vorteil will auch Janotta beobachtet haben. Er bringt es auf folgende Formel: "Ein Interimsmanager hat im Unternehmen weder eine Vergangenheit noch eine Zukunft."
Aus Janottas Sicht fährt ein Unternehmen mit einem Interimsmanager jedenfalls besser als mit einem Unternehmensberater. "Manager auf Zeit beraten nicht nur und entwickeln Ideen, sondern packen auch bei der Umsetzung an", sagt er. Immerhin kennen sie den Arbeitsalltag: Im Schnitt sind die DDIM-Mitglieder 52 Jahre alt und haben 17 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel, bevor sie sich für das Leben als Interimsmanager entscheiden.
Dabei dürften Informatiker wie Janotta in der Minderheit bleiben. Auf 3 bis 5 Prozent schätzt er seine Berufsgruppe und bleibt damit unter den Selbstangaben der DDIM-Mitglieder, denen zufolge rund 10 Prozent aus der IT kommen. Den Schwerpunkt bilden Betriebswirte.
Angesichts des Fachkräftemangels in technischen Berufen rührt DDIM-Chef Christophers gerade für IT die Werbetrommel. Für ihn schlägt ein Unternehmen, das sich einen CIO auf Zeit ins Haus holt, zwei Fliegen mit einer Klappe. Es bekommt einen Informatiker und einen Unternehmer in Personalunion - das vielzitierte Problem von der mangelnden Business-Denke dürfte gar nicht erst auftreten.
Für Janotta ist denn auch klar: "Ich bin Einzelkämpfer und kann mir keinen Fehler erlauben. Für einen Interimsmanager ist es das Wichtigste, sich mit guten Erfolgen einen guten Ruf und damit neue Kunden zu erarbeiten."
Christophers, seit sechs Jahren als Interimsmanager tätig, preist diese Art zu arbeiten als Lebensmodell, das zu ihm passt. Dabei sei er schon viermal gefragt worden, ob er nicht bei einem Auftraggeber fest einsteigen will. Will er aber nicht. Den Stress durch das alleinige Schultern des unternehmerischen Risikos macht die Tatsache wieder wett, dass ein Interimsmanager auch mal zwei Monate auf Reisen gehen kann. Sozusagen als Interims-Weltenbummler.
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