Hamburg - Das Internet wird zensiert, Seiten sind nicht erreichbar, Suchergebnisse frisiert - was Olympia-Korrespondenten in China beklagen, ist für die Chinesen seit Jahren Alltag.
Seit das Internationale Olympische Komitee (IOC) eingestanden hat, dass Reporter im Pekinger Pressezentrum auf die gewohnte Informationsfreiheit verzichten müssen, beklagen sich sogar IOC-Funktionäre selbst über den peinlichen Kotau vor dem Regime.
Auch nachdem die Zensur am heutigen Freitag gelockert wurde - viele Internetseiten sind weiterhin gesperrt. Dabei ist es für die Journalisten nicht viel mehr als eine Unannehmlichkeit, die sich mit Tricks womöglich sogar umgehen lässt, wie Ratgeber im Internet zeigen (PDF...). Abermillionen Bürger Chinas dagegen leben seit Jahren mit der quälenden Selbstverständlichkeit, dass man ihnen vorschreiben will, was sie sehen, lesen, wissen und schreiben dürfen.
Das Überwachungs- und Kontrollsystem der chinesischen Regierung funktioniert üblicherweise aber nicht wie ein einfacher Webfilter, der bestimmte Domains blockiert. Vielmehr ist es ein mehrschichtiges Modell, das an vielen Stellen angreift und auf eine Reihe unterschiedlicher Maßnahmen aufbaut - nämlich Filterung, Überwachung, Warnungen, Druck und Repression. Die Journalisten in Peking machen Bekanntschaft mit einem winzigen Ausschnitt dieses Unterdrückungsapparates.
Noch vor Kurzem folgte die chinesische Zensur dem Rasenmäherprinzip: Seiten wurden einfach blockiert. Das inzwischen abgebrochene Internetprojekt greatfirewallofchina.org versuchte herauszufinden, wie oft und rigide diese Blockade griff - die Bilanz: Das Nachrichtenportal "Spiegel Online" zum Beispiel wurde 2007 von China aus 149-mal aufgerufen, und 132-mal war die Seite blockiert.
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