New York - Internetprovider und Serviceanbieter stellen ihre eigenen Regeln auf. Sie machen Politik, wenn sie mit Regimes wie in China kooperieren. Manchmal sind sie auch Staatsanwalt, Richter und Geschworene in einem, wenn sie Streitigkeiten unter Ausschluss jeder Öffentlichkeit entscheiden.
Der niederländische Fotograf Maarten Dors lernte die Grenzen der Freiheit auf Yahoos Foto-Site Flickr schnell kennen, als er dort ein Bild veröffentlichte, das einen Heranwachsenden mit zerzaustem Haar und verschlissenen T-Shirt zeigt, der eine brennende Zigarette im Mund hat. Ohne Vorwarnung wurde das Bild von der Webseite gelöscht. Yahoo
erklärte das damit, dass das Bild gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstoßen habe, keine rauchenden Kinder zu zeigen.
Dors konnte schließlich einen Yahoo-Manager überzeugen, dass das Bild nicht das Rauchen befürworte, sondern die Armut von Straßenkindern in Rumänien zeige. Einige Monate später wurde das Bild wieder von einem anderen Angestellten gelöscht.
In bestimmten Fällen wird Zensur erwartet
Es gibt zwar durchaus nachvollziehbare Gründe, warum Internetfirmen aktiv werden, wenn sie Spam verhindern, Urheberrechtsverletzungen vorbeugen oder Kinderpornografie stoppen wollen. Aber in vielen Fällen ist die Sachlage gar nicht klar.
"Wir sind oft in der Mitte gefangen", sagt Christine Jones, Rechtsberaterin des US-Providers GoDaddy.com. "Wir schätzen natürlich besonders in diesem Land die Freiheit, die wir haben, unsere Meinung zu sagen, aber wir wollen auch gute Unternehmen sein, die das Internet zu einem sichereren und besseren Ort machen."
In Dors Fall war das Gesetz ganz auf der Seite von Yahoo. Denn Serviceprovider haben das Recht, Inhalte zu prüfen, abzulehnen oder zu entfernen. Sie sind nicht verpflichtet, Inhalte vorab zu prüfen, aber sie dürfen es. Dors Bild wurde schließlich zum zweiten Mal wiederhergestellt, und Yahoo entschuldigte sich für das Vorgehen. Die Mitarbeiter seien hier zu weit gegangen, hieß es.
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