Von Grit Beecken und Matthias Kaufmann
Freier Zugang: Der "South Park" ist nun auf öffentlichen Wegen erreichbar
Southparkstudios.com
In der Unterhaltungsindustrie ist die Angst vor Diebstahl ausgeprägt. Weil sich Musik und Filme umstandslos kopieren und verbreiten lassen, nerven die Produzenten ihr Publikum mit fürchterlichen Spots über Gefängnisstrafen für Raubkopierer. Mag die Industrie für ihr Anliegen gute Gründe haben - die Kurzfilme, in denen der Zeigefinger gehoben wird, machen vor allem Angst vor ihrer Wiederholung. Sie spielen in einer Liga mit der GEZ.
Gerade erst hat Viacom erfolgreich auf die Herausgabe der Daten von YouTube-Nutzern geklagt, die kopiergeschütztes Material auf die Videoplattform stellen. Die Macher der anarchistischen Zeichentrickserie "South Park" gehen den entgegen gesetzten Weg: Sie haben Ende März einfach die komplette Serie selbst ins Netz gestellt.
Völlig kostenlos kann nun jeder auf "Southparkstudios.com" die abstrus-satirischen Abenteuer der frühreifen Kindergang Stan Marsh, Kyle Broflovski, Eric Cartman und Kenny McCormick sehen. Und zwar alle zwölf Staffeln, gut aufbereitet mit einer übersichtlichen Episodenübersicht und Suchfunktionen - allerdings alles nur auf Englisch.
Die Serie, die seit 1997 läuft, ist ein großer Erfolg, trotz ihres teils rabiaten Sarkasmus und der scherenschnittartigen Animation. Der Humor kennt keine Berührungsängste und mischt Sozialkritisches mit Kalauern, bis hin zu Fäkalscherzen.
Das Netzangebot ist eine Art Testballon für den US-Sender Comedy Central und dürfte im Erfolgsfall die Verbreitung über das Internet stärken. Die Folgen können nicht auf den Computern der Zuschauer gespeichert werden, sondern werden direkt gestreamt. Außerdem sind sie versehen mit drei Werbeunterbrechungen, unter anderem von Toyota und Mastercard.
Fans von "South Park" sollten sich allerdings beeilen, denn niemand kann sagen, wie lange die Seite von Deutschland aus zugänglich ist. Vergleichbare Angebote etwa mit den "Simpsons" sind für deutsche Zuschauer gesperrt, aus Angst der deutschen Sender und DVD-Verkäufer vor Verlusten.
Solche Sorgen plagen "South Park" bislang nicht. Vielleicht hat das mit der generellen Sorglosigkeit der Macher zu tun, die sich auch nicht scheuen, einen der Protagonisten, Kenny, am Ende fast jeder Folge sterben zu lassen. In jeder darauffolgenden Sendung ist er dann wieder dabei, ohne dass die wunderbare Auferstehung je erklärt würde.
Angst vorm Tod braucht Kenny nicht zu haben. Ein Zustand, der jedem von uns große Freiheiten eröffnen würde. Zum Beispiel die, für flache Kalauer zu jedem Opfer bereit zu sein, und seien sie noch so billig. Der Grund für Kennys tausend Tode ist nämlich nichts weiter das Wortspiel mit einem irischen Bier: Kilkenny.
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