Von Grit Beecken und Matthias Kaufmann
Freier Markt: Jeder lila Ballon auf Floka.de steht für Angebote
Floka.de
Erinnern Sie sich noch, wie man früher mitten in der Nacht aufstehen musste, um auf dem Flohmarkt ein Schnäppchen zu ergattern? Im Dunkeln schlichen wir, zum Gesang der Nachtigall, zwischen Tapeziertischen entlang - und das war, bevor es Coffee to go gab. Mit etwas Glück war es nur kalt, regnete aber nicht.
Mit Ebay haben wir es seit einigen Jahren bequemer. Wir sitzen mit unserem eigenen Kaffeebecher vor dem Bildschirm, und müssen auch nicht mehr die ersten sein. Schließlich zählt bei Ebay das letzte Gebot.
Doch wo ist das Flair hin? Gibt es nicht eine Mitte zwischen dem wohligen Grauen im Morgengrauen und der seelenlosen, durchgestylten und kommerziell perfektionierten Internetverramsche?
Auch das mag die Erfinder von "Floka.de" umgetrieben haben. Sie bieten einen elektronischen "Flohmarkt à la carte", und zwar deutschlandweit. Das ist wörtlich zu nehmen, denn Grundlage sind die Karten von Google Maps.
"Du kannst hier wie auf einem Flohmarkt nach Schätzen stöbern, die andere loswerden möchten", versprechen die Anbieter. Und nebenbei müssen auch die Flohmarktverkäufer nicht länger im Regen mit klapprigen Tapeziertischen kämpfen. Sie stellen ihre Ware einfach auf der Seite ein.
Was hat "Floka.de", das Ebay nicht hat? Hier wird persönlich verhandelt. Die Plattform zeigt lediglich, wo es was zu holen gibt: Auf den Google Maps markieren kleine lila Ballons die Angebote. Mit einem Klick bekommt man die entsprechende Beschreibung, mit einem weiteren Klick kann man mit dem Anbieter Kontakt aufnehmen, um sich zu verabreden. So lässt sich das Angebot in Natura begutachten, mit dem Verkäufer live und ganz unvirtuell feilschen, zu einer Uhrzeit, die beiden passt. Nur die Fahrerei nimmt einem niemand ab.
Allerdings ist das Angebot nicht gerade üppig. Derzeit stehen in Darmstadt 13 Artikel zum Verkauf, darunter ein Staubsauger und ein Salzstreuer. Beide sind kostenlos zu haben. Im Norden werden hauptsächlich Billy-Regale angeboten. Für 100 Euro gibt es aber auch vier "Sternspeichenfelgen für BMW E46". Und am Tegernsee wird eine Trachtenbrosche feilgeboten. Das üppige Schmuckstück kostet acht Euro.
Auch ist die regionale Streuung recht groß - und eben Glückssache. Sucht man etwa ein Angebot in Nordhessen, muss man für einen 19-Zoll-Monitor immerhin nach Gießen fahren.
Vielleicht haben ja viele Leute Angst, das Haus zu verlassen und bestellen lieber bei Ebay. Das wäre schade, denn die Idee der virtuellen Kleinanzeige ist bestechend, wie ein anderes hessisches Angebot illustriert: "Eine lecker kalte Flasche Bier, kostenlos, dazu ein nettes Gespräch und meine Freude darüber, wenn es endlich klappt, dieses Angebot einzustellen, ohne laufend rauszufliegen! Ich habe Urlaub, komm einfach vorbei."
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