Paris - Im Internet beginnt die erste Adressenrevolution. Die Organisation zur Verwaltung der Domainnamen (Icann) hat am Donnerstag Vorschläge zur Einführung hunderter neuer Endungen neben den bislang gültigen "Top Level Domains" (TLD) wie ".com", ".de" oder ".org" angenommen. So wird es künftig auch Endungen wie Städte- oder Firmennamen geben, zum Beispiel ".berlin" oder ".ebay".
Zudem kann es zur Freigabe von Adressen mit nichtlateinischen Buchstaben kommen: Domainnamen beispielsweise mit chinesischen, kyrillischen oder arabischen Schriftzeichen werden ab dem kommenden Jahr möglich sein. Die Nachfrage nach solchen Adressen sind mit der Ausbreitung der Internetnutzung stark gestiegen.
Seit ihrer Gründung vor 25 Jahren hat die Icann ihr Adressensystem nie grundlegend erweitert. "Wir haben den umfassendsten Wandel auf den Weg gebracht, der Milliarden Internetnutzer in den kommenden Jahrzehnten betreffen wird", sagte Icann-Präsident Paul Twomey der Agentur APTN. Die Öffnung für neue Domainnamen wurde zum Abschluss einer wochenlangen Konferenz in Paris einstimmig beschlossen. In der nächsten Etappe müssen Regeln für die Lizenzvergabe entwickelt werden.
Anhand der Domainnamen finden Computer Websites. Mit neuen Endungen könnten sich Unternehmen, Länder oder Organisationen eingängige Adressen zulegen, die bislang wegen der begrenzten TLD-Bereiche vergeben sind. Anfang kommenden Jahres sollen sich Interessenten für die neuen Adressen bewerben können. Experten rechnen mit Preisen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro. Zahlreiche Geschäftsleute haben schon bisher mit dem Handel von Domainnamen viel Geld gemacht, indem sie sich rechtzeitig Markennamen und eingängige Adressen sicherten.
Die neuen Adressen werden allerdings erst nach einer Erprobungsphase eingeführt. Darin kann jeder Vorbehalte etwa wegen Rassismus, Wettbewerbskonflikten oder einer zu großen Ähnlichkeit der Adressen anmelden.
Im Hintergrund der Freigabe steht die Sorge, dass nach dem bisherigen System in den kommenden fünf Jahren die Adressnamen hätten knapp werden können. Im vergangenen Jahr sollen nur noch 17 Prozent der ursprünglich vorhandenen vier Milliarden Adressen verfügbar gewesen sein.
Die Lockerung der Richtlinien für die Namensgebung könnte ganz neue Werte im Internet erschließen, hatte Icann-Vorstand Paul Twomey zuvor betont. Experten rechnen damit, dass der Kampf um Internetadressen mit der klassischen ".com"-Endung dennoch nicht nachlässt.
Hintergrund: Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kalifornien, die 1998 vom US-Handelsministerium mit der Verwaltung der Internetadressen beauftragt worden war. Die Organisation ist unter anderem für die Domainnamen und IP-Adressen zuständig.
manager-magazin.de mit Material von dpa und ap
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