Kein spezielles Risiko
Weil das Prinzip bislang so gut funktioniert, springen auch herkömmliche Onlineshops wie der Computerversender Alternate auf den Zug auf: Die Anbieter integrieren zeitlich befristete und von der Stückzahl begrenzte Verkaufsaktionen ins reguläre Programm.
Den größten Reiz stellen die häufig sehr niedrigen Preise dar. Die Liveshopping-Anbieter können günstig kalkulieren, denn sie nehmen den Lieferanten viele Exemplare von einem Artikel ab und verzichten auf Werbung und Lagerhaltung. "Nicht in allen, aber in vielen Fällen unterbieten sie sogar das niedrigste gelistete Angebot in Preissuchmaschinen", sagt Jacobs. Die Experten von der Zeitschrift "C't" raten dennoch, vor dem Kauf grundsätzlich Preise zu vergleichen.
Müssen angesichts des hohen Schnäppchenpotenzials an anderer Stelle Abstriche gemacht werden? "Kunden gehen bei Liveshopping-Anbietern kein Risiko ein. Sie haben die gleichen rechtlichen Ansprüche wie bei herkömmlichen Onlineshops", sagt Ronny Jahn, Jurist bei der Verbraucherzentrale Berlin. So können Kunden etwa - wie bei anderen Einkäufen im Internet auch - ihr Widerrufsrecht nutzen: Sie erhalten ihr Geld zurück, wenn sie die Ware innerhalb von 14 Tagen zurückschicken - ohne Gründe dafür nennen zu müssen.
Recht auf Gewährleistung
Auch die zweijährige Gewährleistungspflicht entfällt trotz der Kurzfristangebote nicht, sagt Jahn. Das bedeutet: Ist die Ware mangelhaft, muss der Händler dafür sorgen, dass sie umgetauscht oder repariert wird. Haben die Anbieter keine Ersatzartikel mehr, müsse der Kunde auf sein Schnäppchen nicht verzichten: "Er kann sich die Ware woanders beschaffen und die Preisdifferenz erstatten lassen, sollte der Kauf dann teurer ausfallen."
Klagen hat der Verbraucherschützer aber noch nicht vernommen. Und selbst der erste Eindruck vom Shop Schutzgeld.de, der sich selbst ein Mafiosi-Image verpasst, täusche. Für prinzipielle Zweifel an der Seriosität sieht Jurist Jahn keinen Grund.
Ein paar Liveshopping-Anbieter sind laut Experte Jacobs zwar schon wieder vom Markt verschwunden. Dass Kunden wegen eines Konkurses um ihren Einkauf oder ihr Geld geprellt wurden, sei aber noch nicht bekanntgeworden. Erfahrungsberichte und Tipps können Schnäppchenjäger im Forum von Jacobs' Webseite hinterlassen. Dank der Community bleibt auch über Liveshopping im Netz selten etwas geheim.
Berti Kolbow, dpa
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