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28.05.2008
 

Work-Life-Balance

Der tägliche Balance-Akt

Von Andreas Schmitz

Loslassen ist nicht die Stärke von CIOs. Viele sind 80 Stunden pro Woche für den Job unterwegs, manche auch am Wochenende. Work-Life-Balance? Fehlanzeige. Dabei sind ausgeglichene Topmanager viel erfolgreicher.

München - Thomas Engel machte sich nichts vor: "Wenn du was Neues anfangen willst", sagte sich der damalige CIO beim Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel vor zwei Jahren, "dann musst du das jetzt tun." Nach 20 Jahren im Managementdienst für die Metro, Ploenzke, AMC und zuletzt elf Jahre "Tag und Nacht" für Kühne + Nagel im IT-Topmanagement war "einfach mal eine kreative Erholungspause nötig". Ein Hörsturz erleichterte dem damals 52-Jährigen die Entscheidung ein wenig, Körper und Geist eine Verschnaufpause zu gönnen - das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Seine Entscheidung kürzer zu treten liegt im Trend, meint Michael Kastner, Organisationspsychologe und Arbeitsmediziner von der Uni Dortmund. Unter den fünf von Kastner gefundenen Gründen für Unternehmer, sich mit dem Thema Work-Life-Balance auseinanderzusetzen, passt Engel ausgezeichnet zum Thema Downshifting (Grund 1), also sich dem täglichen Druck zu entziehen und eine Nische zu suchen, etwa als Folge psychomentaler Beeinträchtigungen (Grund 2; Kastner: "Die Leute werden rappelig").

Großes Problem ist, dass die Menschen mit der zunehmenden Komplexität, die die Globalisierung mit sich bringt, nicht Schritt halten können (Grund 3). Bei einer Halbwertszeit in der IT von 17 Monaten sei es für einen CIO auch mal angesagt, die alte stabile Lösung beizubehalten und nicht gleich wieder von vorne anzufangen. Wenn dann noch die Kompetentesten ins Ausland gehen (Grund 4) und aufgrund des demografischen Faktors zu wenig Nachwuchs heranwächst (Grund 5), ist für Kastner klar, dass Unternehmer handeln müssen. Aus rein existenziellen, also wirtschaftlichen Gründen.

Nach einer aktuellen Untersuchung der Europäischen Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken im spanischen Bilbao gehen 60 Prozent der versäumten Arbeitstage auf Stress zurück, der mehr als jeden fünften (22 Prozent) betrifft. Das Institut beziffert den so verursachten jährlichen wirtschaftlichen Schaden in Europa auf über 20 Milliarden Euro. Unsichere Arbeitsverhältnisse, hoher Termindruck, unflexible und lange Arbeitszeiten und nicht zuletzt die immer weniger zu bewältigende Flut an Informationen auf elektronischem Wege machen Mitarbeitern in den Unternehmen zu schaffen.

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