Mittwoch, 8. Februar 2012, 04:47 Uhr

manager magazin



14.05.2008
 

Studie

Übereifrig? Übervernetzt!

Von Anja Tiedge

Ob im Bett oder im Urlaub: Arbeitnehmer sind dank neuester Technologien immer und überall erreichbar. Eine Studie hat ergeben, dass 16 Prozent der Mitarbeiter bereits vollständig vernetzt sind. Einige von ihnen sogar in der Kirche.

Hamburg - Dem überall erreichbaren, ständig vernetzten Mitarbeiter bleibt nichts anderes übrig, als sich an Begriffe wie Instant Messaging, Social Networks und Web Conferencing zu gewöhnen. Am besten kennt er diese Begriffe nicht nur, sondern nutzt die Anwendungen selbst - im Büro am Computer, unterwegs auf dem Handy oder daheim am Notebook. Chef, Kunden und Kollegen gehen schließlich mittlerweile davon aus, dass man im Notfall erreichbar ist. Allerdings wird der Notfall nicht selten zum Normalfall und Freizeit damit zu Arbeitszeit.

Vernetzung als Gratwanderung: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem verwischen
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Vernetzung als Gratwanderung: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem verwischen

Der digitale Übereifer hat einen weiteren Effekt, der in der IT-Branche durchaus üblich ist: eine Wortschöpfung. Hyperconnected (zu Deutsch: übervernetzt) nennt sich nämlich die Gruppe von Menschen, die dank zahlreicher technischer Hilfsmittel nahezu immer und überall erreichbar ist. Freiwillig, wohlgemerkt.

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens IDC im Auftrag des Netzwerkausrüsters Nortel Chart zeigen hat ergeben, dass 16 Prozent der Arbeitnehmer hypervernetzt sind, das heißt dass sie regelmäßig mindestens vier digitale Geräte wie Notebook, MP3-Spieler oder Festnetz und mehr als sechs Anwendungen wie SMS, E-Mail oder Voice over IP nutzen.

Laut IDC sollen es in den kommenden Jahren aber noch weitaus mehr werden. "Junge Menschen vernetzen sich besonders häufig. 60 Prozent der Hypervernetzten sind jünger als 35 Jahre", sagt IDC-Analyst Pim Bilderbeek. Er schätzt deshalb, dass der Anteil der Übervernetzten unter den Arbeitnehmern in den nächsten fünf Jahren auf 40 Prozent steigen wird.

Neben ihrer Affinität für Digitales zeichnet die Spezies der Hypervernetzten eine bemerkenswerte Eigenschaft aus: Wenn sie ihr Haus für 24 Stunden verlassen müssten, würden sie lieber ihren Laptop mitnehmen als ihre Brieftasche oder ihr Handy. Die Mehrheit von ihnen, nämlich 60 Prozent, ist männlich und lebt in Städten. Außerdem arbeiten die meisten im Finanz- und Technologiesektor.

Eine Folge der Hypervernetzung, die viele noch vor ihr zurückschrecken zu lassen, ist die Vermischung von Privatem und Beruflichem. Wenn in der Badewanne das Handy klingelt oder im Kino das Handy piept, weil der Chef ein dringendes Anliegen hat, gerät die sogenannte Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht. So geben 40 Prozent der Befragten an, E-Mails vom Bett aus zu verschicken. Rund 30 Prozent versenden auch berufliche Nachrichten aus dem Urlaub. Selbst aus Kirchen mailen einige der Befragten schon.

Die Hypervernetzten sind allerdings halbwegs glücklich mit dieser Situation: 35 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihre Work-Life-Balance halten können. Nur 21 Prozent finden es schwierig, das Gleichgewicht beizubehalten.

Bleibt die Frage, wie die Unternehmen auf den Vernetzungsdrang der Mitarbeiter reagieren sollten. Experten raten den Arbeitgebern zu einem weiteren Zungenbrecher: Unified Communications, also die Automatisierung der Unternehmenskommunikation. "Die Mitarbeiter nutzen unserer Studie zufolge IP-Telefonie, Instant Messaging und Webkonferenzen am meisten", sagt IDC-Analyst Bilderbeek. Würde man diese Funktionen beispielsweise in einer Anwendung bündeln, könnten Entscheidungen im Unternehmen noch schneller getroffen werden.

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