Von Matthias Kremp
Hamburg - Der Name ist Programm: Live Mesh hat Microsoft
seine neue Technologie getauft. Ein Mesh, das ist ein feinmaschiges Netz - ein sinnbildlicher Name für ein Netz, das viele Knotenpunkte miteinander verwebt, Verbindungen zwischen all diesen Knoten herstellt.
Genau so soll Microsofts Live Mesh funktionieren. Mit ihm soll man als Anwender von jedem seiner computerisierten Geräte auf jedes andere zugreifen können. Fotos, Musik, Videos, aber auch Programme und Datenbanken soll man jederzeit von überall auf der Welt abrufen und nutzen können. Das Internet wird damit zum Bindeglied und Datenspeicher zwischen den Geräten, die online zu einer Art Datenwolke verschmelzen.
Neu ist die Idee nicht, aber zufriedenstellend umgesetzt hat sie noch niemand. Schon seit Langem kann man Daten zwischen Computern, PDAs, Handys und MP3-Playern austauschen. Schon seit Langem ist es möglich, PCs miteinander zu vernetzen oder gar via Internet fernzusteuern. Bislang jedoch waren all das Einzellösungen, die nicht miteinander zusammenarbeiteten, oft umständlich zu handhaben waren und immer wieder manuell aufgerufen werden mussten. Das soll beim Mesh anders sein, verspricht Microsoft-Chefentwickler Ray Ozzie.
Dass Microsoft gerade jetzt mit einer Technologie auftrumpft, die sich das Internet zunutze macht, um ein virtuelles Netz zu stricken, ist kein Zufall. Die Zeit war wohl einfach reif für ein System wie dieses: Google
machte Microsoft in den vergangenen Jahren zunehmend Konkurrenz mit vernetzten Onlineprogrammen, die Microsofts jahrzehntelange Vorherrschaft auf dem Bürosoftwaremarkt angreifen.
Der Softwarekonzern geht jetzt noch einen Schritt weiter, lässt die Grenzen zwischen physischem Arbeitsplatz und Onlinezugriff verschwimmen. Technisch gibt es kaum noch Hürden: Speicherplatz kostet nur wenige Cent pro Gigabyte, Breitbandinternet wird in vielen Haushalten zum Standard, ist über die Mobilfunknetze der dritten Generation vielerorts auch drahtlos verfügbar, und selbst mobile Geräte verfügen über ausreichend Rechenpower, um große Datenmengen zügig verarbeiten zu können.
© manager magazin Online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH