Von Marleen Gründel
"Ignoranten entgeht morgen der Umsatz"
Händler, die sich bisher noch nicht auf den Trend Social Commerce eingelassen haben, verschenken gewaltiges Potenzial. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft geht davon aus, dass 2007 im Onlinehandel nur etwa 20 Prozent des gesamten möglichen Volumens ausgeschöpft wurde. Sowohl die Analysten von Forrester Research als auch von Gartner prognostizieren dem "verkannten Milliardenmarkt" Social Shopping eine rosige Zukunft. Gartner meint sogar: "Onlinehändlern, die heute die sozialen Elemente im Verkauf ignorieren, entgeht morgen der Umsatz."
Dabei verzeichnet die Branche Jahr für Jahr neue Rekordumsätze, allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland einer Studie des Marktforschers GfK
Wer in diesen vielversprechenden Markt einsteigen will, sollte Folgendes beachten: Das Internet ist nicht einfach nur ein zusätzlicher Vertriebsweg, auf den alte Geschäftsmodelle übertragen werden, sondern eine Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erreichen. Es geht nicht darum, nur den Produktkatalog zu digitalisieren und online verfügbar zu machen. Vielmehr müssen die Nutzer auf der Website mitmachen und die Waren "erleben" können.
"Auf jeden einzelnen Kunden eingehen"
Einer Deloitte-Studie zufolge ist vor allem die Tatsache, dass Produkte im Internet nicht angefasst oder im Detail gesehen werden können, ein Grund für das Vorziehen des Einkaufszentrums statt des PCs. Neue Technologien wie die 360-Grad-Rundumansicht, die 3D-Darstellung in virtuellen Welten wie beispielsweise Second Life oder Bewegtbildern könnten den Warenumsatz im Internet deshalb noch kräftig ankurbeln.
Die Unternehmensberatung Goldmedia geht davon aus, dass der Onlinehandel in Deutschland durch den Einsatz von Videos oder Internetfernsehen bis 2012 ein Umsatzplus von mehr als 5 Prozent erreichen kann. Schließlich würden emotionalisierte Warengruppen wie Schmuck, Mode oder Haushaltswaren, die bisher im Internet kaum erworben werden, beispielsweise im Teleshopping sehr gut verkauft.
"Durch den Einsatz von Bewegtbildern wird die Warenpräsentation deutlich optimiert und das Einkaufserlebnis verbessert", ist sich Goldmedia-Analyst Mathias Birkel sicher. "Unternehmen sollten in Zeiten des Social Commerce wieder wie früher individuell auf jeden einzelnen Kunden eingehen", empfiehlt der Internetexperte Tim Cole. "Wer zum Hoflieferant von König Kunde wird, gewinnt."
Noch sind viele Firmen beim Ausprobieren und Entwickeln, der Kuchen ist noch nicht verteilt. Wer von dem Trend Social Commerce profitieren will, sollte dieses Thema daher so schnell wie möglich auf die Agenda setzen. Denn 2008 wird den Experten zufolge das Jahr des Social Commerce.
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH