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manager magazin



17.03.2008
 

Umzug

"Bild" ab Ostern aus Berlin

Allen Protesten der Mitarbeiter zum Trotz zieht die "Bild"-Zeitung in diesen Tagen von Hamburg nach Berlin. Die Chefetage des Springer-Blattes und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit sind entzückt, die Hamburger reagieren enttäuscht.

Berlin - Die Schlagzeile der "Bild"-Zeitung am Ostersamstag könnte lauten: "Berlin ist Zeitungshauptstadt!" Schon 1993 kam das Flaggschiff des Medienkonzerns Axel Springer Chart zeigen, "Die Welt", nach Berlin. Nun ziehen "Bild" und "Bild am Sonntag" von Hamburg an die Spree.

"Bild liebt Berlin":  Wer in diesen Hamburger "Bild"-Eingang reinkommt, steht ab dieser Woche nicht mehr in Bild
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"Bild liebt Berlin":
Wer in diesen Hamburger "Bild"-Eingang reinkommt, steht ab dieser Woche nicht mehr in Bild

Die erste Redaktionssitzung im Springer-Hochhaus in der Kochstraße ist am Karfreitag. Am Tag danach erscheint die erste weitgehend in Berlin produzierte Ausgabe der auflagenstärksten deutschen Zeitung. "Bild am Sonntag" folgt am 30. März. Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) steht fest: "Dieser Umzug ist eines der großen verlegerischen Ereignisse des Jahres 2008."

In diesen Tagen wird Berlin in die "Bild"-Farbe Rot getaucht. Ein Teil des Verlagsgebäudes verschwindet hinter einer 51 mal 46 Meter großen Plane mit der Aufschrift "Bild liebt Berlin"; 1000 Werbeplakate werden im Stadtbild kaum zu übersehen sein. Insgesamt kommen aus Hamburg mehr als 400 Mitarbeiter nach Berlin. Die Vorbereitungen laufen, seit Chefredakteur Kai Diekmann am 2. Mai 2007 den Umzug in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ankündigte.

"Konkurrenzkampf um die Nachricht wird härter werden"

Diekmann begründet den Wegzug nach mehr als 55 Jahren aus Hamburg mit der gestiegenen Bedeutung der Hauptstadt. "Als größte Zeitung Deutschlands müssen wir uns der neuen Rolle Berlins stellen. Berlin ist gelebter Informationsvorsprung", sagte er damals der "FAZ". Der Geschäftsführer des Vereins Berliner Journalisten (VBJ), Michael Rediske, sagt einen scharfen Wettbewerb voraus: "Der Konkurrenzkampf um die Nachricht, um den Scoop, wird noch härter werden."

Schon jetzt arbeiten nach Angaben des VBJ in Berlin 7000 bis 10.000 Journalisten. Nach dem Umzug gibt es dort laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger zehn Tageszeitungen. Dazu gehören drei Boulevardtitel ("Bild", "B.Z.", "Berliner Kurier") und Zeitungen wie "Der Tagesspiegel", "Berliner Zeitung", "taz", "Die Welt", "Berliner Morgenpost" und "Neues Deutschland". Alle zusammen haben eine Auflage von rund 4,5 Millionen Exemplaren täglich. Außerdem erscheinen sechs Sonntagsblätter mit zusammen rund 2,7 Millionen Exemplaren.

Der Umzug ist eine logistische Herausforderung. Am Mittwoch werden in Hamburg 700 Computer, mehr als 100 Monitore, Lampen und Grünpflanzen in rund 5000 Kisten gepackt. In 120 Lkw-Touren wird die Fracht nach Berlin transportiert. Bisher sind 150 Mitarbeiter umgezogen. Der Verlag hat 160 Appartements gemietet, die sechs Monate lang kostenlos zur Verfügung stehen. Alternativ gibt es ein Jahresticket für den ICE Hamburg-Berlin zum Nulltarif. Für den Nachwuchs steht ein Betriebskindergarten bereit. Am 25. März ist eine Mitarbeiter-Party mit dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner geplant.

Döpfner hatte kürzlich gesagt, Berlin sei für das Unternehmen Zeitungsstandort und Hamburg Zeitschriftenstandort. So bleibt auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) optimistisch. "Der Wegzug ist natürlich ein Verlust für Hamburg", meint er nach Angaben eines Sprechers. Die Perspektiven für den Medienstandort seien aber nach wie vor sehr gut. "Allerdings bin ich der Meinung, dass Berlin und Hamburg sich noch besser entwickeln könnten, wenn sie ihre Zusammenarbeit verstärken würden, anstatt in Konkurrenz zueinander zu handeln."

Rolf Westermann, dpa

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