10.03.2008
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HD-DVD und Co.

Historische Formatflops

Von Matthias Kremp und Konrad Lischka

3. Teil: Mini-Disc – Kassetten-Killer blüht in der Reporter-Nische

Mini-Disc – Kassetten-Killer blüht in der Reporter-Nische

18 Gramm leicht und viel kleiner als die Kassette - Sonys Minidisc konnte man im Januar 1992 für das ideale Musik-Mitnahme-Format halten. Die Minidisc war mit keinem Vorgängerformat kompatibel. Aber sie sei technisch besser und das genüge doch wohl, glaubten die Sony-Manager. Sonys Marketingchef Wolfdieter Grieß kommentierte im SPIEGEL damals, die Verbraucher, müssten nur "lernen, dass keine neue Technik mehr für die Ewigkeit ist".

Mini-Disc-Flaggschiff: Sonys MZ-NH1 kostete 2004 etwa 450 Euro
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Mini-Disc-Flaggschiff: Sonys MZ-NH1 kostete 2004 etwa 450 Euro

Die Mini-Disc gibt es heute immer noch, eine halbe Elektronik-Ewigkeit später. Allerdings nutzen das Format vor allem Radioreporter für Aufnahmen bei Außenterminen. Viel mehr Nutzer hat die von Sony Chart zeigen als Kassettenkiller angekündigte Mini-Disc auch nie gefunden. Dabei hat sich Sony redlich bemüht: Michael Jacksons Best-Of-Album "HIStory" erschien 1995 zum Beispiel zuerst auf Mini-Disc, danach erst auf CD. Kein Wunder: Das Album erschien bei Sony Music.

Diese Hilfe aus dem eigenen Haus half der Mini-Disc als Mainstream-Medium für Kaufmusik nicht weiter: 1995 waren in Deutschland weniger als 500 Popalben und knapp 100 Klassikaufnahmen auf Mini-Disc erhältlich. Heute gibt es keine mehr – einer der letzten Minidisc-Veröffentlichungen scheint laut Amazon Chart zeigen der Dracula-Filmsoundtrack aus dem Jahr 2000 zu sein – erschienen am 29. Dezember 2000 bei Sony Music. Wie passend: Untoten-Musik auf dem Widergänger-Medium.

CD-i – der interaktive Flop

"Vier hochwertige Geräte in einem vereint" pries die Philips-Werbung 1994 den neuesten CD-i-Abspieler an. Das war völlig richtig: Die teuren Geräte (900 Mark aufwärts) konnten Spiele, Multimedia-Inhalte wie Lexika, Spielfilme und Musik wiedergeben. Das konnten sie schon beim Start im September 1990. Doch in den drei folgenden Jahren verkaufte Philips Chart zeigen weltweit nur 300.000 Geräte. Philips versuchte alles Erdenkliche: Man kaufte die Rechte für Super-Mario-Spiele von Nintendo Chart zeigen, setzte Spiele wie "The 7th Guest" um, verpflichtete Filmstudios für Veröffentlichungen von CD-i-Versionen von – damaligen - Erfolgsfilmen wie "Die nackte Kanone 2".

Es half alles nichts. Drei Jahre lang hatte das CD-i mit einem spartanischem Film- und Spielangebot Käufer abgeschreckt (zum Start gab es weniger als zwei Dutzend Titel). Wo die Fehler lagen, verdeutlicht diese Weisheit, die eine Philips-Managerin im SPIEGEL drei Jahre (!) nach dem Deutschland-Start des CD-i verkündete: "Wir haben viel gelernt, der deutschsprachige Markt braucht deutschsprachige Software." Drei Jahre zu spät offenbar. 1998 gab Philips das CD-i endgültig auf.

Immerhin hat Schriftsteller Douglas Coupland ("Generation X") dem CD-i ein Denkmal in seinem Roman "Mikrosklaven" gesetzt. Programmtester Todd erinnert sich an eine Stelle: "Ich habe mal das CD-i-System von Philips ausprobiert - das ist so, als würde man versuchen, einen Bildband zu lesen, dessen Seiten alle zusammengeklebt sind".

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