Die Schlupfwinkel werden ausgeräuchert. Ganz gleich, ob Steuersünder oder Junta-Scherge. Ganz gleich, wo sie sich verstecken, die gierigen Staatsfeinde mit ihrem Schwarzgeld. Ob auf den Gipfeln Liechtensteins oder in den Sümpfen Myanmars.
Schafe auf dem Vormarsch: Shaun the Sheep (l.) rettet die Ehre seiner Spezies. mehr dazu in Teil 4 dieses Artikels
Das ist kein Zufall, sondern historische Fügung. Kaum ist die ultimative Kampfmaschine der 80er in die Kinos zurückgekehrt, um einen veritablen Fleischsalat anzurichten, da fliegen im Steuerparadies Liechtenstein die Fetzen.
Bei Vergleichen sind wir Journalisten nicht zimperlich, und mancher nicht ganz brave Steuerbürger noch weniger. In diesen turbulenten Razziawochen ist plötzlich von Kampfverbänden die Rede, von Gestapo-Methoden und von einem Feldzug des Fiskus. Ein Wunder, das noch niemand das Wort "Steuer-Blitzkrieg" geprägt hat. Gemeint sind mit diesen Kraftausdrücken freilich Szenen wie im Hause Zumwinkel. Szenen, in denen biedere Beamte mit Umzugskartons staubige Aktenordner in ihr Auto schleppen.
Rambos Methoden unterscheiden sich da doch ein bisschen. Die schweißnasse Ein-Mann-Armee orientiert sich an Idealen der Problemlösung, wie sie in der Reagan-Ära galten. Überspitzt zusammengefasst: Die entscheidenden Fragen kann man ungestört erst dann stellen, wenn man dem Gegner eigenhändig das Genick geknackt hat.
Jaja, das war eine ganz andere Zeit, damals. Da sollten deutsche Geheimdienste uns vor allem vor den Russen schützen. Heute spähen sie unsere Konten aus. Das ist so, als würde man Chuck Norris als Gesamtschulhausmeister einstellen. Der knipst abends die Lampen mit einem Roundhouse-Kick aus.
Manches ändert sich allerdings nie. So musste man im Kalten Krieg stets auf der Hut sein vor russischen Agenten. Der Nachbar, die Kollegin, der Gesangvereinsbruder - nie war man sicher, ob sie nicht doch im Verborgenen gegen unseren Staat arbeiten. Auch heute gibt es die wildesten Verdächtigungen. Immer, wenn ein Firmenlenker zurücktritt, fragt man sich nun unwillkürlich: Macht der jetzt den Zumwinkel? Und jeder ist unglaubwürdig, der behauptet, er wolle in Liechtenstein nur Skifahren. Schwarze Schafe wähnt man hinter jeder Steuererklärung.
In dieser Folge der Reihe "Auszeit" tragen wir mit einem Klicktipp zur Rehabilitierung der Spezies Schaf bei, wir vermitteln kriminalistisches Rüstzeug und wir wenden uns im Übrigen ganz anderen Dingen auf Internetseiten zu - Dingen, die Sie wirklich brauchen. Nutzen Sie dafür am besten die Zeit im Büro. Zuhause, mit der Bochumer Staatsanwaltschaft im Nacken, sind Sie leicht abgelenkt. Aber bedenken Sie, wie bei Ihren Steuersparmodellen:
Lassen Sie sich nicht erwischen!
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH