Redmond - Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft
will das Onlineunternehmen Yahoo übernehmen und dafür 31 Dollar je Anteilschein von Yahoo
bezahlen. Dies entspreche einem Aufschlag von 62 Prozent zum Schlusskurs von Donnerstag, teilte Microsoft mit. Bezahlt werden soll zur Hälfte in bar und zur anderen Hälfte in eigenen Aktien.
Das Geschäft soll vermutlich Ende des Kalenderjahres 2008 abgeschlossen werden. Der Softwarekonzern erwartet laut der Mitteilung Synergien von mindestens einer Milliarde Dollar pro Jahr.
Yahoo will das Übernahmeangebot vom Microsoft schnell prüfen. Der Verwaltungsrat werde die "unaufgeforderte" Offerte sorgfältig und rasch abwägen, teilte Yahoo am Freitag mit. Man wolle das beste Vorgehen im Sinne der Aktionäre wählen, hieß es in einer kurzen Mitteilung.
Dresdner-Bank-Analyst Thomas Liskamm geht allerdings davon aus, dass Yahoo dem Angebot zustimmen wird. "Microsoft hat ein recht großzügiges Gebot abgegeben, weil sie nicht nachverhandeln wollen", meint der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de. Vor einem Jahr habe Microsoft schon einmal die Lage ausgelotet, dabei aber nach Meinung der Yahoo-Führung ein zu geringes Angebot abgegeben. "Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass Yahoo alleine Schwierigkeiten hat", so Liskamm.
Eine Fusion von Yahoo und Microsoft würde einen Angriff auf Google
bedeuten. Die Aktien des weltweit größten Suchmaschinenbetreibers Google gaben bis zum frühen Nachmittag deutlich nach.
Kurssprung bei Yahoo, großes Cash-Polster bei Microsoft
Man gehe von einer Zustimmung der Behörden zu dem Geschäft aus, teilte Microsoft
weiter mit. Die EU-Kommission nahm zu der Ankündigung gegenüber manager-magazin.de zunächst nicht Stellung.
Auch Analyst Liskamm geht davon aus, dass die Wettbewerbsbehörden keine größeren Einwände gegen die Übernahme haben. "Ich bin zuversichtlich, dass die Behörden zustimmen", sagt der Experte im Gespräch mit manager-magazin.de. Schließlich würden mit einem Zusammenschluss der Nummer zwei und drei der Branche ein Gegengewicht zu Marktführer Google entstehen.
Yahoo-Aktien legten nach der Ankündigung um 56 Prozent zu. Als Reaktion auf die Nachricht baute der Dax
in Frankfurt seine Gewinne aus und lag etwa 2 Prozent im Plus. Die Futures für Dow Jones
und Nasdaq Composite
sprangen ebenfalls in die Höhe.
Microsoft hatte vor einigen Tagen einen Gewinn von 4,7 Milliarden Dollar für das vierte Quartal vorgelegt, ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet.
Yahoo
hatte dagegen einen Gewinneinbruch erlitten und einen Stellenabbau angekündigt. Im lukrativen Anzeigenmarkt ist der Konzern massiv hinter Microsofts schärfsten Rivalen Google zurückgefallen.
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