20.11.2007
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Corporate Blogging

Kommunikation 2.0

Von Nils Jacobsen

Schüchtern, aber mit immer größerem Interesse nähern sich deutsche Unternehmen der Kommunikationsform des Blogs. Noch scheint die Ehrfurcht vor dem rauen Ton der Blogosphäre groß – doch Firmen wie Frosta oder Xing machen vor, wie es geht. Daimler hat als erster Dax-Konzern nachgezogen.

Hamburg - Der Siegeszug des allgegenwärtigen Web 2.0 scheint unaufhaltsam. Ehe die meisten Entscheider aus der etablierten Wirtschaft das Prinzip des User Generated Contents überhaupt verstanden hatten, waren die Innovativen unter den Internet- und Medienkonzernen längst aufgeteilt: Yahoo sicherte sich das Fototauschportal Flickr, Google das Videoportal YouTube und, zur Überraschung vieler, der Medientycoon Rupert Murdoch mit seiner News Corp. das soziale Netzwerk MySpace.

Glaubt man dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Business Week", könnte nun die nächste Übernahmewelle im Web 2.0 bevorstehen. Im Fadenkreuz der Begehrlichkeit steht dabei ausgerechnet jenes Kommunikationsmodul, das den Hype um das Internet der neuen Generation erst losgetreten hatte: das Webblog - kurz: Blog -, das vom Intellektuellen Jorn Barger erstmals 1997 mit Robot Wisdom auf die Landkarte des World Wide Webs gebracht wurde.

PR-GAU in der Blogosphäre

Seitdem hat das Format, das zur tagebuchähnlichen, chronologisch geführten Internetveröffentlichung von Softwareanbietern wie Blogger, Typepad oder WordPress als Webapplikation bereitgestellt wird, einen langen Weg zurückgelegt. Waren es zunächst einige versprengte Technikfreaks, die auf Communities wie Xanga Pionierarbeit leisteten, so zählt die Blogsuchmaschine Technorati heute bereits über 106 Millionen Blogs. "Sie erreichen eine große, loyale Nutzerschaft, sie sind relativ günstig zu betreiben und können für ihre Anbieter lukrativ werden. Die Mediengesellschaften haben bereits ihr Scheckbuch gezückt", folgert die "Business Week".

In Deutschland hatte sich der Trend dabei bis vor Kurzem offenbar noch nicht herumgesprochen. Keine zwei Jahre ist es her, als Jean-Remy von Matt die Bloggingkultur noch despektierlich als "Klowände des Internets" verunglimpfte, um dann von den Geistern, die er rief, selbst eingeholt zu werden. Die Bloggerszene ließ ihre Muskeln spielen und erinnerte die gebrandmarkte Werbeikone mit unzähligen Beiträgen, Postings und Kommentaren unsanft daran, wie Kommunikation im Zeitalter des Web 2.0 funktioniert: Von allen an alle. Wie ein begossener Pudel musste von Matt schließlich zurückrudern und öffentlich Abbitte leisten: "Vielleicht klang auch etwas Neid auf euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist", gab von Matt kleinlaut zu.

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