13.11.2007
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Dokumentenstandard

Goliath gegen David

Von Johannes Klostermeier

2. Teil: Voll von technischen Mängeln

Voll von technischen Mängeln

Seit 2006 streiten sich die deutschen Mitglieder darüber, ob Microsofts Format zweiter Standard neben dem bereits anerkannten ODF werden soll. Geleitet vom Obmann Gerd Schürmann vom Berliner Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme diskutierten dort Firmenvertreter von Microsoft, IBM, Sun Microsystems, PC-Ware, Open Limit, CIT und Dialogika. Aus dem E-Government-Bereich kommen Vertreter des niedersächsischen Justizministerium, dem norddeutschen IT-Dienstleister Dataport, von Bremen Online Services, der Hamburger Finanzbehörde, dem Auswärtigen Amt, dem Bundesinnenministerium und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Microsoft-Deutschland-Manager Grözinger: "Niemand muss fürchten, wegen Patentverletzung verklagt zu werden"
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Microsoft-Deutschland-Manager Grözinger: "Niemand muss fürchten, wegen Patentverletzung verklagt zu werden"

"OOXML ist qualitativ schlecht gemacht, enthält zahlreiche Fehler und Inkonsistenzen", urteilt Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe. "Der Vorschlag ist so schlecht, dass jeder andere ausgelacht worden wäre, wenn er ihn unterbreitet hätte", sagt ein anderer Experte. Einige Ausschussmitglieder waren auch der Ansicht, dass eine Norm ausreicht, und die hätte man ja mit ODF bereits verabschiedet. "Man braucht nur dann einen zweiten Standard, wenn der erste einen Bereich nicht abdeckt", so Greve.

Auch bei IBM heißt es: "Wir glauben, dass die Welt nicht noch einen Standard benötigt, genauso wenig wie verschiedene Browser, die nur mit bestimmten Websites funktionieren. Dass wir ein anderes Dokumentenformat haben könnten, bedeutet nicht, dass wir es brauchen." Microsoft hingegen setzt auf einen "Wettbewerb der Standards".

Microsoft wird Manipulation vorgeworfen

Die Mitglieder des DIN-Ausschusses wollen nicht zitiert werden und wurden gerade erst wieder auf ihre Verschwiegenheitspflicht hingewiesen. Hinter vorgehaltener Hand monieren sie aber ebenfalls technische Mängel und eine trotz ihres enormen Umfangs von 6000 Seiten unzureichende Dokumentation von Microsoft. Diese sei zudem "gewürzt mit potenziellen patentrechtlichen Problemen." Firmen, die OOXML einsetzten, könnten nicht sicher sein, später verklagt zu werden. Michael Grözinger, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland, weist diese Vorwürfe zurück: "Wir haben entsprechende Freistellungsdokumente unterzeichnet und veröffentlicht." Niemand müsse fürchten, später wegen Patentverletzung verklagt zu werden.

Mit der Materie befasste IT-Experten beklagen sich auch darüber, das OOXML nicht wirklich offen sei, weil immer noch nur ein Konzern - nämlich Microsoft - den Standard kontrolliere. "Die Spezifikation verweist auf proprietäre Standards des Konzerns", so Greve.

Dazu kommt, dass die eine Seite behauptet, Microsoft hätte in einigen Ländern dafür gesorgt, dass vor allem dem Softwarekonzern gewogene Freunde über den Standard abstimmten. Im Internet war die Rede vom "Kauf von Stimmen", "dem Kapern von Standardisierungsgremien" sowie von "Manipulationen der Wahlvorgänge" in anderen Ländern. Das schwedische Normungsinstitut SIS (Swedish Standards Institute), dass sich zunächst für die Anerkennung von Microsofts Dokumentenformat Open XML als ISO-Norm ausgesprochen hatte, votierte später, wegen festgestellter Regelverstöße, mit Enthaltung.

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