Überlingen - In der Welt der Informationstechnologie toben ab und zu Auseinandersetzungen, die für Außenstehende an Glaubenskriege erinnern. Eine der wichtigen Streitfragen ist etwa, ob sich proprietäre, also in sich geschlossene und urheberrechtlich geschützte, oder (quell-)offene Anwendungen, wie sie von der Open-Source-Gemeinschaft propagiert werden, durchsetzen. Der Softwarekonzern Microsoft
hat über die Jahrzehnte hinweg sehr gut von seinen Quasi-Standards mit Windows als Betriebssystem und Word als Textverarbeitung im Büropaket Office gelebt. Fast 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland arbeiten damit.
Offene Software wie das Betriebssystem Linux und das Paket fürs Büro, Open Office, gewinnen hingegen nur langsam an Fahrt. Zu schwierig ist es, umzusteigen. Erstens ist die Microsoft-Software jedem gut bekannt, die Hürden der Umstellung hoch. Zweitens kennt man die Kompatibilitätsprobleme, die auftreten, wenn man Kollegen ein Dokument schickt, das in einem anderen Format abgespeichert wurde. Wie schön wäre da ein offener Standard für Büroanwendungspakete zum unkomplizierten Daten- und Dateienaustausch.
Genau darum entbrennt gerade ein erbitterter Streit der beiden Lager. Es gibt zwei Formate, um deren zukünftige Dominanz und internationale Anerkennung gerungen wird. Zum einen ist da ODF, das Open-Document-Format, von OpenOffice.org entwickelt und der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) als offener Standard für den Austausch von Office-Dateien übergeben. ODF ist schon ein ISO-Standard. Die ISO wiederum ist die Internationale Organisation für Normung mit Sitz in Genf.
Es geht um Geld, Macht und Marktanteile
Microsoft hingegen setzt auf ein anderes Format. Es heißt Office Open XML (OOXML) und ist bereits im neuen Office-Paket 2007 integriert. OOXML ist zwar auch ein Standard, aber bislang nur bei der europäischen Organisation ECMA, einer herstellergetriebenen Normungsorganisation zur Standardisierung von Informations- und Kommunikationssystemen sowie Unterhaltungselektronik.
Das soll jetzt anders werden. Die mit dem Konkurrenzformat gleichberechtigte Anerkennung durch die ISO war und ist Microsoft sehr wichtig. Denn gerade gegenüber staatlichen Stellen wiegt sie mehr als das bereits erreichte ECMA-Siegel. Wenn Teile der eigenen Entwicklung als offizieller Standard fest geschrieben werden, geht es aber stets auch um Geld, Macht und Marktanteile. So ist es nicht verwunderlich, dass es im Standardisierungsverfahren zu einem heftigen Schlagabtausch kam.
Was international die ISO ist, heißt in Deutschland "Deutsches Institut für Normung e.V.", kurz DIN, mit Sitz in Berlin. Die DIN-Normen für Papiergrößen, etwa das DIN-A4-Format, kennt jeder. Im Zeitalter des PCs wird das digitale Dokumentenformat immer wichtiger. Beim DIN ist man über das Interesse am Streit schon selbst ein bisschen genervt. "Eigentlich läuft so ein Standardisierungsverfahren in aller Stille ab", sagt Sprecher Peter Anthony. "Doch hier haben sich schon am nächsten Tag Ausschussmitglieder gegenüber der Presse geäußert."
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