06.11.2007
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IT-Management

Die Krux der Projektauswahl

Von Lars von Thienen

4. Teil: Opportunitätsrisiken und Wirtschaftlichkeit

Opportunitätsrisiken

Ein weiteres, häufig anzutreffendes und zugleich wenig sachliches Argument ist das so genannte "Muss"-Argument: "Wie müssen das Projekt XY durchführen, weil ...die Wartung ausläuft, ...die Rechtslage es erfordert, ...der Kunde darauf besteht."

Beweislast umkehren:  Nicht die IT muss begründen, warum ein Projekt verschoben wird
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Beweislast umkehren:
Nicht die IT muss begründen, warum ein Projekt verschoben wird

In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, dass die IT-Verantwortlichen die Beweislast umkehren: Nicht die IT muss begründen, warum ein Muss-Projekt verschoben wird. Der Fachbereich steht in der Pflicht darzulegen, welche Risiken für das Unternehmen entstehen, wenn das Projekt nicht durchgeführt werden sollte.

Es obliegt dann der geschäftlichen Entscheidung, ob derartige Umstände zur Durchführung eines Projektes als relevant betrachtet werden. Der Umstand zur möglichen Projektdurchführung resultiert nicht aus dem externen Einfluss (zum Beispiel die Wartung wird gekündigt) selbst, sondern aus der Beurteilung des unternehmerischen Risikos, das bei einer Nichtdurchführung entstehen würde.

Aus diesem Grund ist das zweite elementare Kriterium zur Beurteilung der Projektpriorität das Opportunitätsrisiko: Das Risiko, wenn das Projekt nicht durchgeführt wird. Damit wird eine Objektivierung der klassischen Muss-Argumente erzielt. Für die Beurteilung eignet sich die Unterteilung in fünf Kriterien und die Zuordnung von Punktwerten je Projekt.

  • Juristische, sicherheitsrelevante und Complaince-bezogene Zwänge
  • Konzernbedingte und unternehmensinterne Einflüsse
  • Kunden- und Wettbewerbsdruck
  • Technische Risiken
  • Lieferantenzwänge

Wirtschaftlichkeit

Nachdem die ersten beiden Kriterien vor allem qualitative Faktoren und subjektive Ansichten objektiviert haben, gilt es abschließend die rein wirtschaftliche, monetäre Wirkung des Projektes in die Gesamtbeurteilung einzubeziehen. Dafür eignen sich dynamische Betrachtungen der durch das Projekt veränderten Zahlungsströme. Die Erfahrung zeigt, dass zwei Fragen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit gestellt werden sollten.

Der erste Aspekt beschäftigt sich mit der Frage möglicher Umsatzsteigerungen beziehungsweise der Vermeidung möglicher Umsatzrückgänge durch das Projekt. Im zweiten Aspekt ist zu bewerten, inwieweit mögliche Kosteneinsparungen realisiert oder erwartete Kostensteigerungen vermieden werden.

Dabei muss den von Unsicherheit geprägten und mit unvollständigen Annahmen ausgestatteten Projekten Rechnung getragen werden. Doch die Erfahrung bei Freundenberg Haushaltsprodukte bestätigt, dass eine Anwendung hilfreich ist.

MPM Praxistipp

Visualisierung von Wirkungsketten und einfaches Erfassungsschema zur Prognose des Kapitalwertes

"Nach unserer aktuellen Welle zur globalen Prozessharmonisierung auf der Basis eines SAP Templates müssen wir die aufkeimenden Wünsche zu einer weitergehenden länderspezifischen Optimierung wirtschaftlich abwägen und priorisieren.

In dieser frühen Phase zur Nennung von Anpassungswünschen durch die Fachbereiche legen wir ein einfaches, pragmatisches aber zugleich methodisch abgesichertes Verfahren zur Bewertung der monetären Wirkung zugrunde: Über eine Visualisierung der direkten Wirkungen und indirekten Folgewirkungen eines Projektes stellen wir die Verbindung zu monetären Wirkungskategorien in den Bereichen (Prozess-)kostenreduktion, Senkung IT-Betriebskosten und Umsatzsteigerungen her. Dadurch werden die erwarteten Wirkungen mit ihrem Bezug zu monetären Kategorien qualitativ sichtbar. Alle Beteiligten erhalten ein auf einer DIN A4 Seite verdichtetes Bild mit den beschriebenen Effekten.

Unsere Erfahrung zeigt, dass nicht die mathematisch exakte Kalkulation der Effekte auf den Cent genau im Vordergrund steht. Vielmehr helfen einfache Erfassungs- und Visualisierungsstrukturen, um in frühen Projektphasen ein Gefühl über die erwartete Höhe der wirtschaftlichen Effekte zu erhalten. Die Höhe der wirtschaftlichen Effekte kann schließlich über Kapitalwertklassen (Spannen von/bis) im Portfolio berücksichtigt werden.

Es hat sich herausgestellt, dass durch diese standardisierte und vereinfachte Bewertung zusammen mit einer Portfoliodarstellung die Kommunikation aller Beteiligten zu den wirtschaftlichen Effekten von Prozess- und IT Optimierungsprojekten an Qualität gewinnt."

Harald Berger, Freudenberg Haushaltsprodukte

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