Von Lars von Thienen
Opportunitätsrisiken
Ein weiteres, häufig anzutreffendes und zugleich wenig sachliches Argument ist das so genannte "Muss"-Argument: "Wie müssen das Projekt XY durchführen, weil ...die Wartung ausläuft, ...die Rechtslage es erfordert, ...der Kunde darauf besteht."
In diesem Zusammenhang ist es von entscheidender Bedeutung, dass die IT-Verantwortlichen die Beweislast umkehren: Nicht die IT muss begründen, warum ein Muss-Projekt verschoben wird. Der Fachbereich steht in der Pflicht darzulegen, welche Risiken für das Unternehmen entstehen, wenn das Projekt nicht durchgeführt werden sollte.
Es obliegt dann der geschäftlichen Entscheidung, ob derartige Umstände zur Durchführung eines Projektes als relevant betrachtet werden. Der Umstand zur möglichen Projektdurchführung resultiert nicht aus dem externen Einfluss (zum Beispiel die Wartung wird gekündigt) selbst, sondern aus der Beurteilung des unternehmerischen Risikos, das bei einer Nichtdurchführung entstehen würde.
Aus diesem Grund ist das zweite elementare Kriterium zur Beurteilung der Projektpriorität das Opportunitätsrisiko: Das Risiko, wenn das Projekt nicht durchgeführt wird. Damit wird eine Objektivierung der klassischen Muss-Argumente erzielt. Für die Beurteilung eignet sich die Unterteilung in fünf Kriterien und die Zuordnung von Punktwerten je Projekt.
Wirtschaftlichkeit
Nachdem die ersten beiden Kriterien vor allem qualitative Faktoren und subjektive Ansichten objektiviert haben, gilt es abschließend die rein wirtschaftliche, monetäre Wirkung des Projektes in die Gesamtbeurteilung einzubeziehen. Dafür eignen sich dynamische Betrachtungen der durch das Projekt veränderten Zahlungsströme. Die Erfahrung zeigt, dass zwei Fragen zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit gestellt werden sollten.
Der erste Aspekt beschäftigt sich mit der Frage möglicher Umsatzsteigerungen beziehungsweise der Vermeidung möglicher Umsatzrückgänge durch das Projekt. Im zweiten Aspekt ist zu bewerten, inwieweit mögliche Kosteneinsparungen realisiert oder erwartete Kostensteigerungen vermieden werden.
Dabei muss den von Unsicherheit geprägten und mit unvollständigen Annahmen ausgestatteten Projekten Rechnung getragen werden. Doch die Erfahrung bei Freundenberg Haushaltsprodukte bestätigt, dass eine Anwendung hilfreich ist.
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